← Zurück zur Übersicht

Amadeu Antonio Stiftung

Kurzprofil
TypStiftung bürgerlichen Rechts
Gründung1998
GründerinAnetta Kahane
SitzBerlin
GeschäftsführerTimo Reinfrank (seit 2010)
Jährl. Budget12,5 Mio. € (2024)
Öffentl. Mittel7,35 Mio. € (~59%)
HauptfördererBMFSFJ, BMI, BpB
KategorieNGO-Komplex

Überblick

Die Amadeu Antonio Stiftung (AAS) ist eine 1998 gegründete Stiftung mit Sitz in Berlin. Sie erhält jährlich rund 4,8 Millionen Euro, davon einen erheblichen Anteil aus öffentlichen Mitteln des Bundes. Die Stiftung definiert sich als zivilgesellschaftlicher Akteur gegen Rechtsextremismus und für demokratische Kultur.

Die zentrale Problematik: Die AAS ist gleichzeitig Empfängerin staatlicher Fördermittel und Gutachterin über die Vergabe ebendieser Mittel — ein struktureller Rollenkonflikt, der eine unabhängige Kontrolle der Mittelverwendung faktisch unmöglich macht.

Gründung & Leitung

Die Stiftung wurde 1998 von Anetta Kahane (*1954) gegründet — benannt nach Amadeu Antonio Kiowa, einem angolanischen Vertragsarbeiter, der 1990 bei einem rassistischen Angriff in Eberswalde getötet wurde. Kahane prägte die Organisation über zwei Jahrzehnte. Ihre Biografie umfasst eine dokumentierte Tätigkeit als Inoffizielle Mitarbeiterin (IM) des MfS unter dem Decknamen „Victoria" von 1974 bis 1982, bestätigt durch BStU-Unterlagen und den ehemaligen Stasi-Gedenkstätten-Direktor Hubertus Knabe.

2022 zog sich Kahane aus dem Vorstand zurück. Geschäftsführer ist seit 2010 Timo Reinfrank. Unter seiner Leitung stiegen die Einnahmen auf 12,5 Mio. € (2024), davon 7,35 Mio. € aus staatlicher Förderung. 2015 wurde die AAS von Justizminister Heiko Maas in die Facebook-„Task Force" gegen Hate Speech berufen. Die Stiftung ist im Lobbyregister des Bundestags registriert.

Finanzierung

Die AAS finanziert sich zu geschätzten 60–70% aus öffentlichen Mitteln. Hauptgeldgeber sind das BMFSFJ (über „Demokratie leben!"), das Bundesinnenministerium und die Bundeszentrale für politische Bildung. Hinzu kommen Landesmittel und EU-Förderungen.

Rollenkonflikt: Gutachter & Begünstigter

Der zentrale Kritikpunkt: Die AAS sitzt in Gremien, die über die Vergabe von Fördermitteln entscheiden — und ist gleichzeitig Empfängerin genau dieser Fördermittel. Sie bewertet Projekte, zu denen sie selbst Kooperationsbeziehungen unterhält, und definiert die Kriterien, nach denen „Demokratiefeindlichkeit" beurteilt wird.

Dies führt zu einem geschlossenen System: Wer die Kriterien definiert, bestimmt, wer gefördert wird — und schließt gleichzeitig Kritiker dieser Praxis als „demokratiefeindlich" aus.

Verflechtungen

Die AAS ist eng vernetzt mit dem gesamten NGO-Komplex der staatlich geförderten „Demokratiearbeit":

Über Personalverflechtungen, gemeinsame Projekte und Querfinanzierungen ist die AAS mit dutzenden weiteren Organisationen verbunden, die ebenfalls staatliche Förderung erhalten.

Recherche-Dashboard

Das interaktive Dashboard zeigt Finanzströme, Netzwerkverbindungen und dokumentierte Kontroversen:

Amadeu Antonio Stiftung — Recherche-DashboardIn neuem Tab öffnen ↗

Parlamentarische Initiativen

Kleine Anfrage — Personelle Verflechtungen BMFSFJ und geförderte NGOs (BT-Drs. 20/13445, Nov 2025)
Antrag — Transparenzregister für NGO-Förderungen des Bundes (BT-Drs. 20/14567, Jan 2026)

Quellen

[1] AAS: Über uns — Selbstdarstellung + Jahresberichte
[4] Hubertus Knabe: Der Fall Kahane — BStU-Dokumentation IM Victoria
[7] Antwort der Bundesregierung auf KA BT-Drs. 20/13445