Neue deutsche Medienmacher*innen e.V.
Überblick
Die Neuen deutschen Medienmacher*innen (NdM) sind ein 2008 gegründetes bundesweites Netzwerk von Journalisten mit Einwanderungsgeschichte. Der 2009 eingetragene Verein hat rund 650 Mitglieder und beschäftigt etwa 60 Mitarbeiter. Im Jahr 2023 stammten 93,6% der Einnahmen aus öffentlichen Mitteln — der höchste staatliche Finanzierungsanteil aller hier dokumentierten NGOs.
Der größte Einzelposten ist die EU-AMIF-Förderung (Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds) für das Projekt Handbook Germany mit über 3 Millionen Euro jährlich. Gründerin Ferda Ataman war bis 2022 Vorsitzende des Vereins und wechselte im Juli 2022 als Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung in ein Bundesamt.
Gründung & Leitung
Die Initiative wurde im November 2008 von fünf Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen, darunter Ferda Ataman. Der Verein wurde 2009 in Berlin ins Vereinsregister eingetragen. Erster Vorsitzender war Marjan Parvand.
Ferda Ataman übernahm 2018 den Vorsitz des Vereins. Am 7. Juli 2022 wählte der Bundestag sie zur Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes — sie verließ daraufhin den NdM-Vorstand. Seitdem führen Ella Schindler und Natalie Sablowski den Verein als Co-Vorsitzende. Geschäftsführerin ist Elena Kountidou.
Finanzierung
Lobbyregister-Daten 2024:
- EU AMIF (Handbook Germany): 3.050.000 €
- BMFSFJ: 540.000 € + 190.000 € = 730.000 €
- BK-Amt (Migrationsbeauftragte): 300.000 €
- Land NRW: 110.000 €
- BMI: 25.000 €
- BKM: 25.000 €
Spenden (2024): ca. 300.000 €
- Freudenberg SE: 145.000 €
- Stiftung Mercator: 55.000 €
- Sonstige Spenden: ca. 100.000 €
Mitgliedsbeiträge: ca. 25.000 €
Bundesförderung laut BT-Drs. 20/15101 (2025):
- BMFSFJ: 425.000 €
- BK-Amt: 300.000 €
- DSEE: 88.000 €
- BAMF: 27.000 €
- Gesamt Bundesförderung: 840.000 € (ohne EU-AMIF)
Zusammen mit der EU-AMIF-Förderung ergibt sich ein Gesamtbudget von ca. 4,3 Millionen Euro, wovon der überwiegende Teil aus staatlichen Quellen stammt. Der Eigenfinanzierungsanteil (Spenden + Beiträge) liegt bei etwa 6–7%.
Ferda Ataman — Drehtür
Ferda Atamans Karriere illustriert die Durchlässigkeit zwischen Aktivismus, Politikberatung und Bundesämtern:
- 2008: Mitgründung der Neuen deutschen Medienmacher*innen
- 2010–2012: Leiterin Öffentlichkeitsarbeit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes
- 2018: Wahl zur Vorsitzenden der NdM
- 07.07.2022: Bundestag wählt Ataman zur Unabhängigen Bundesbeauftragten für Antidiskriminierung (Leiterin der Antidiskriminierungsstelle)
Zuvor war Ataman unter anderem als Redenschreiberin für Armin Laschet in der NRW-Landesregierung tätig. Der Wechsel von der Führung einer fast vollständig staatsfinanzierten Lobby-Organisation direkt in ein Bundesamt — zumal in die gleiche Behörde, in der sie zuvor bereits angestellt war — wurde von Kritikern als klassisches Drehtür-Muster bewertet.
Diversity Kartell (2022): Unmittelbar vor Atamans Wechsel ins Bundesamt gründeten sie und die langjährige NdM-Geschäftsführerin Konstantina Vassiliou-Enz das private Beratungsunternehmen Diversity Kartell GbR, das Medienunternehmen bei Diversitätsstrategien berät. Zu den Auftraggebern gehörten laut Medienberichten Google Deutschland, der Bayerische Rundfunk, der Hessische Rundfunk, SRG Ostschweiz und die Süddeutsche Zeitung. Das Muster: Advocacy-Expertise aufgebaut in einem fast vollständig steuerfinanzierten Verein — anschließend privatwirtschaftlich vermarktet. Quellen: kress.de 2022
Projekte & Sprachpolitik
Glossar (seit 2013): „Formulierungshilfen für einen diskriminierungssensiblen Sprachgebrauch" — ein Leitfaden, der Redaktionen empfiehlt, bestimmte Begriffe durch NdM-konforme Alternativen zu ersetzen. Das Glossar wird aktiv an Medien und Behörden verteilt.
Handbook Germany: Mehrsprachiges Informationsportal (9 Sprachen) für Zugewanderte mit ca. 3 Millionen Besuchen pro Jahr. Finanziert über den EU-AMIF mit über 3 Mio. Euro — der mit Abstand größte Budgetposten der NdM.
toneshift / BetterPost: Projekte gegen Hass und Desinformation im Internet.
Diversity Guide: Handreichungen für Redaktionen zur diversitätssensiblen Berichterstattung.
„Goldene Kartoffel" (2018–2022): Negativpreis für Medienberichterstattung, die nach NdM-Kriterien als nicht diversitätssensibel gilt. Ausgezeichnet wurden u.a. Julian Reichelt (BILD), deutsche Talkshows und SPIEGEL TV. Der Preis wurde nach 2022 eingestellt.
Verflechtungen
Die NdM sind institutionell und finanziell mit folgenden Akteuren verflochten:
Durch die fast vollständige Staatsfinanzierung (93,6%) und die personelle Verflechtung mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (Ataman-Wechsel 2022) besteht eine enge strukturelle Abhängigkeit zwischen Vereinstätigkeit und Bundesregierung. Die NdM agieren de facto als verlängerter Arm staatlicher Integrationspolitik im Medienbereich — finanziert durch Steuergelder, aber organisiert als unabhängiger Verein.
Lobbyregister: Trotz langjähriger politischer Interessenvertretung wurde der NdM-Eintrag im Lobbyregister des Bundestags erst am 31. März 2025 — also 16 Jahre nach Vereinsgründung — eingetragen. Das Lobbyregister ist seit Januar 2022 verpflichtend. Die Verzögerung von drei Jahren ist dokumentiert; der Eintrag selbst vermerkt, die Interessenvertretung beziehe sich auf keine konkrete Gesetzgebung. Quelle: Lobbyregister R007301
Parlamentarische Initiativen
Position & Gegenposition
Position der NdM: Der Verein beschreibt sich als unpolitisches Fachnetzwerk für Medienprofis mit Einwanderungsgeschichte. Das Glossar für diskriminierungssensible Sprache sei eine Empfehlung, kein verbindliches Regelwerk. Die hohe Staatsfinanzierung sei dem Projekt-Portfolio geschuldet — insbesondere Handbook Germany als Grundversorgungsangebot für Zugewanderte. Die Interessenvertretung im Lobbyregister beziehe sich ausdrücklich auf keine konkreten Gesetzesvorhaben.
Kritische Perspektiven: Journalistin Anna Schneider (Neue Zürcher Zeitung, März 2021) beschrieb einen Widerspruch: Die damalige Geschäftsführerin Vassiliou-Enz äußerte sich öffentlich zur Gefahr für journalistische Unabhängigkeit durch staatliche Förderung — während der Verein selbst zu über 90% staatlich finanziert war. Apollo News (2023) kritisierte das Glossar als „Sprachpolizei", die demokratischen Diskurs einenge. Achgut.com bezeichnete die öffentliche Förderung als „Staatsknete" für eine politisch ausgerichtete Organisation. Cicero thematisierte die Verbindung zwischen NdM-Sprachpolitik und dem Drehtür-Muster der Führungspersonen.
Parlamentarische Kritik: AfD-Fraktionen stellten 2018 Kleine Anfragen zur Förderung (BT-Drs. 19/4707, 19/3784). Im Februar 2025 stellte die CDU/CSU-Fraktion im Rahmen von 551 Fragen zu NGO-Förderung durch das BMFSFJ auch mehrere Detailfragen zur NdM-Finanzierung (BT-Drs. 20/15101). Hintergrund waren laut taz Proteste von NdM gegen die Abstimmung der Union mit der AfD im Bundestag.