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Neue deutsche Medienmacher*innen e.V.

Neue deutsche Medienmacher
Kurzprofil
Typeingetragener Verein (e.V.)
Gründung2008/2009
GründerinFerda Ataman (u.a.)
SitzBerlin
VorsitzendeElla Schindler, Natalie Sablowski (Co-Vorsitz)
GeschäftsführerinElena Kountidou
Jährl. Budgetca. 4,3 Mio. € (2024)
Öffentl. Mittel93,6% (2023)
Mitglieder650
HauptfördererBMFSFJ, BK-Amt, EU AMIF, BMI-BAMF
KategorieMedien / Diversity / Integration
LobbyregisterR007301

Überblick

Die Neuen deutschen Medienmacher*innen (NdM) sind ein 2008 gegründetes bundesweites Netzwerk von Journalisten mit Einwanderungsgeschichte. Der 2009 eingetragene Verein hat rund 650 Mitglieder und beschäftigt etwa 60 Mitarbeiter. Im Jahr 2023 stammten 93,6% der Einnahmen aus öffentlichen Mitteln — der höchste staatliche Finanzierungsanteil aller hier dokumentierten NGOs.

Der größte Einzelposten ist die EU-AMIF-Förderung (Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds) für das Projekt Handbook Germany mit über 3 Millionen Euro jährlich. Gründerin Ferda Ataman war bis 2022 Vorsitzende des Vereins und wechselte im Juli 2022 als Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung in ein Bundesamt.

Gründung & Leitung

Die Initiative wurde im November 2008 von fünf Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen, darunter Ferda Ataman. Der Verein wurde 2009 in Berlin ins Vereinsregister eingetragen. Erster Vorsitzender war Marjan Parvand.

Ferda Ataman übernahm 2018 den Vorsitz des Vereins. Am 7. Juli 2022 wählte der Bundestag sie zur Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes — sie verließ daraufhin den NdM-Vorstand. Seitdem führen Ella Schindler und Natalie Sablowski den Verein als Co-Vorsitzende. Geschäftsführerin ist Elena Kountidou.

Finanzierung

Lobbyregister-Daten 2024:

  • EU AMIF (Handbook Germany): 3.050.000 €
  • BMFSFJ: 540.000 € + 190.000 € = 730.000 €
  • BK-Amt (Migrationsbeauftragte): 300.000 €
  • Land NRW: 110.000 €
  • BMI: 25.000 €
  • BKM: 25.000 €

Spenden (2024): ca. 300.000 €

  • Freudenberg SE: 145.000 €
  • Stiftung Mercator: 55.000 €
  • Sonstige Spenden: ca. 100.000 €

Mitgliedsbeiträge: ca. 25.000 €

Bundesförderung laut BT-Drs. 20/15101 (2025):

  • BMFSFJ: 425.000 €
  • BK-Amt: 300.000 €
  • DSEE: 88.000 €
  • BAMF: 27.000 €
  • Gesamt Bundesförderung: 840.000 € (ohne EU-AMIF)

Zusammen mit der EU-AMIF-Förderung ergibt sich ein Gesamtbudget von ca. 4,3 Millionen Euro, wovon der überwiegende Teil aus staatlichen Quellen stammt. Der Eigenfinanzierungsanteil (Spenden + Beiträge) liegt bei etwa 6–7%.

Ferda Ataman — Drehtür

Ferda Atamans Karriere illustriert die Durchlässigkeit zwischen Aktivismus, Politikberatung und Bundesämtern:

  • 2008: Mitgründung der Neuen deutschen Medienmacher*innen
  • 2010–2012: Leiterin Öffentlichkeitsarbeit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes
  • 2018: Wahl zur Vorsitzenden der NdM
  • 07.07.2022: Bundestag wählt Ataman zur Unabhängigen Bundesbeauftragten für Antidiskriminierung (Leiterin der Antidiskriminierungsstelle)

Zuvor war Ataman unter anderem als Redenschreiberin für Armin Laschet in der NRW-Landesregierung tätig. Der Wechsel von der Führung einer fast vollständig staatsfinanzierten Lobby-Organisation direkt in ein Bundesamt — zumal in die gleiche Behörde, in der sie zuvor bereits angestellt war — wurde von Kritikern als klassisches Drehtür-Muster bewertet.

Diversity Kartell (2022): Unmittelbar vor Atamans Wechsel ins Bundesamt gründeten sie und die langjährige NdM-Geschäftsführerin Konstantina Vassiliou-Enz das private Beratungsunternehmen Diversity Kartell GbR, das Medienunternehmen bei Diversitätsstrategien berät. Zu den Auftraggebern gehörten laut Medienberichten Google Deutschland, der Bayerische Rundfunk, der Hessische Rundfunk, SRG Ostschweiz und die Süddeutsche Zeitung. Das Muster: Advocacy-Expertise aufgebaut in einem fast vollständig steuerfinanzierten Verein — anschließend privatwirtschaftlich vermarktet. Quellen: kress.de 2022

Projekte & Sprachpolitik

Glossar (seit 2013): „Formulierungshilfen für einen diskriminierungssensiblen Sprachgebrauch" — ein Leitfaden, der Redaktionen empfiehlt, bestimmte Begriffe durch NdM-konforme Alternativen zu ersetzen. Das Glossar wird aktiv an Medien und Behörden verteilt.

Handbook Germany: Mehrsprachiges Informationsportal (9 Sprachen) für Zugewanderte mit ca. 3 Millionen Besuchen pro Jahr. Finanziert über den EU-AMIF mit über 3 Mio. Euro — der mit Abstand größte Budgetposten der NdM.

toneshift / BetterPost: Projekte gegen Hass und Desinformation im Internet.

Diversity Guide: Handreichungen für Redaktionen zur diversitätssensiblen Berichterstattung.

„Goldene Kartoffel" (2018–2022): Negativpreis für Medienberichterstattung, die nach NdM-Kriterien als nicht diversitätssensibel gilt. Ausgezeichnet wurden u.a. Julian Reichelt (BILD), deutsche Talkshows und SPIEGEL TV. Der Preis wurde nach 2022 eingestellt.

Verflechtungen

Die NdM sind institutionell und finanziell mit folgenden Akteuren verflochten:

BMFSFJ / Demokratie leben! BK-Amt (Migrationsbeauftragte) BAMF / BMI EU AMIF Freudenberg SE Stiftung Mercator Robert Bosch Stiftung Google News Initiative

Durch die fast vollständige Staatsfinanzierung (93,6%) und die personelle Verflechtung mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (Ataman-Wechsel 2022) besteht eine enge strukturelle Abhängigkeit zwischen Vereinstätigkeit und Bundesregierung. Die NdM agieren de facto als verlängerter Arm staatlicher Integrationspolitik im Medienbereich — finanziert durch Steuergelder, aber organisiert als unabhängiger Verein.

Lobbyregister: Trotz langjähriger politischer Interessenvertretung wurde der NdM-Eintrag im Lobbyregister des Bundestags erst am 31. März 2025 — also 16 Jahre nach Vereinsgründung — eingetragen. Das Lobbyregister ist seit Januar 2022 verpflichtend. Die Verzögerung von drei Jahren ist dokumentiert; der Eintrag selbst vermerkt, die Interessenvertretung beziehe sich auf keine konkrete Gesetzgebung. Quelle: Lobbyregister R007301

Parlamentarische Initiativen

Kleine Anfrage AfD — NdM-Förderung durch die Bundesregierung (BT-Drs. 19/4707 / 19/5134, 2018)
Kleine Anfrage AfD — Gesamtförderung NdM: 2.371.000 € (BT-Drs. 19/3784, 2018)
Kleine Anfrage CDU/CSU — 551 Fragen zu NGO-Förderung durch das BMFSFJ, inkl. NdM-Finanzierung (BT-Drs. 20/15101, Feb 2025)

Position & Gegenposition

Position der NdM: Der Verein beschreibt sich als unpolitisches Fachnetzwerk für Medienprofis mit Einwanderungsgeschichte. Das Glossar für diskriminierungssensible Sprache sei eine Empfehlung, kein verbindliches Regelwerk. Die hohe Staatsfinanzierung sei dem Projekt-Portfolio geschuldet — insbesondere Handbook Germany als Grundversorgungsangebot für Zugewanderte. Die Interessenvertretung im Lobbyregister beziehe sich ausdrücklich auf keine konkreten Gesetzesvorhaben.

Kritische Perspektiven: Journalistin Anna Schneider (Neue Zürcher Zeitung, März 2021) beschrieb einen Widerspruch: Die damalige Geschäftsführerin Vassiliou-Enz äußerte sich öffentlich zur Gefahr für journalistische Unabhängigkeit durch staatliche Förderung — während der Verein selbst zu über 90% staatlich finanziert war. Apollo News (2023) kritisierte das Glossar als „Sprachpolizei", die demokratischen Diskurs einenge. Achgut.com bezeichnete die öffentliche Förderung als „Staatsknete" für eine politisch ausgerichtete Organisation. Cicero thematisierte die Verbindung zwischen NdM-Sprachpolitik und dem Drehtür-Muster der Führungspersonen.

Parlamentarische Kritik: AfD-Fraktionen stellten 2018 Kleine Anfragen zur Förderung (BT-Drs. 19/4707, 19/3784). Im Februar 2025 stellte die CDU/CSU-Fraktion im Rahmen von 551 Fragen zu NGO-Förderung durch das BMFSFJ auch mehrere Detailfragen zur NdM-Finanzierung (BT-Drs. 20/15101). Hintergrund waren laut taz Proteste von NdM gegen die Abstimmung der Union mit der AfD im Bundestag.

Quellen

[1] Lobbyregister des Deutschen Bundestags: Neue deutsche Medienmacher*innen e.V. — R007301
[2] Bundestag: BT-Drs. 20/15101 — Antwort auf 551 Fragen CDU/CSU zu NGO-Förderung (Feb 2025)
[3] Bundestag: BT-Drs. 19/4707 — Kleine Anfrage AfD: NdM-Förderung (2018)
[4] Bundestag: BT-Drs. 19/5134 — Antwort der Bundesregierung zu BT-Drs. 19/4707 (2018)
[5] Bundestag: BT-Drs. 19/3784 — Gesamtförderung NdM: 2.371.000 € (2018)
[11] kress.de (2022): Ferda Ataman und Konstantina Vassiliou-Enz gründen Diversity Kartell — Auftraggeber Google DE, BR, HR, SRG, SZ
Recherche-Protokoll & Methodik
Iter 1: ABCD Iter 2: EFGH Iter 5: RSTUVWXY Z: Z
12 Quellen geprüft 12 zitiert Modell: claude-sonnet-4-6 Recherche-Dauer: 18 min
CLAUDE.md-Hash: Erstellt: 2026-05-09
Verworfene Befunde und Suchqueries werden im Admin-Bereich vorgehalten — siehe Methoden-Übersicht für das vollständige Schema.
Iter Z — Adversarial Self-Check (drei typed Lücken, öffentlich)
  1. content: Jahresabschluss-Bilanzen (Bundesanzeiger) nicht abgerufen — Gehaltsangaben der Leitungsebene fehlen, Darlehensstrukturen zwischen Vereinsabteilungen unklar. Lobbyregister-Spannenwerte (4,22–4,34 Mio) wurden als Budgetnachweis verwendet; ein konsolidierter Jahresabschluss hätte…
  2. mechanic: Antrags-Wortgleichheit (Iter H Nr. 17) nicht geprüft — ob NdM-Pressemitteilungen sprachidentisch mit Kleinen Anfragen der SPD/Grüne sind, wurde nicht systematisch durchsucht. Personenkarussell Journalist↔NGO (Iter G Nr.
  3. meta: Lobbyregister erst 2025 eingetragen (16 Jahre nach Gründung, 3 Jahre nach Pflichteinführung) — öffentlich als Befund dokumentiert, aber kein IFG-Antrag geprüft ob Vorgespräche existieren.
Most-Likely-Blind-Spot: Diversity Kartell GbR Jahresumsatz und Auftragsvolumen bei ARD/ZDF nicht verifiziert — Kress-Artikel nennt Auftraggeber, aber keine Summen. Hier könnte eine substanzielle privatwirtschaftliche Verwertung von NdM-Expertise vorliegen, die durch staatliche Förderung ermöglicht wurde.