Die Falken Berlin (SJD)
Überblick
Der Landesverband Berlin der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken (SJD) ist ein eingetragener Verein und Teil des gleichnamigen, bundesweit organisierten Kinder- und Jugendverbands mit sozialistischem Selbstverständnis. Der Berliner Landesverband unterhält eigenen Angaben zufolge drei offene Jugendclubs, eine Bildungsstätte, drei selbstverwaltete Räume sowie mehrere Projekte, darunter das „Spielmobil", Schulprojekttage und die antirassistische mobile Bibliothek Audream (falken-berlin.de). Im April 2026 geriet der Landesverband überregional in die Berichterstattung, nachdem im Rahmen eines von ihm durchgeführten Workshops an einer sächsischen Oberschule pornografisches Bildmaterial an Schüler einer 9. Klasse verteilt worden war (siehe Abschnitt Fall Oberschule Schleife).
Die Falken verstehen sich selbst als „linke Organisation, die sich in der politischen und pädagogischen Arbeit für die Verwirklichung des Sozialismus einsetzt" (Wikipedia, basierend auf SJD-Selbstdarstellung). Historisch sind die Falken der SPD nahestehend — der Bundesverband ist anerkannter Träger der Kinder- und Jugendhilfe und erhält über den Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) Bundesmittel.
Gründung & Struktur
Die Falken gehen zurück auf zwei Vorläuferorganisationen der sozialistischen Arbeiterjugendbewegung: die Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ), gegründet am 29. Oktober 1922, und die Kinderfreunde Deutschlands (ab 13. November 1923). Beide wurden 1933 von den Nationalsozialisten verboten. Die heutige SJD – Die Falken konstituierte sich nach 1945 neu; der Bundesverband wurde 1946 wiederbegründet.
Der Landesverband Berlin hat seine Geschäftsstelle seit 2011 in der Schlossstraße 19 in Berlin-Charlottenburg. Er untergliedert sich in 12 Kreisverbände, die grob den Berliner Bezirken entsprechen. Laut Satzung besteht der Landesvorstand aus mindestens zwei Co-Vorsitzenden — davon darf höchstens eine Person männlich sein — den Leitungen der beiden Arbeitsringe (Kinder: „Rote Falken"/„Junge Pioniere"; Jugend: „Sozialistische Jugend") sowie bis zu sieben weiteren Vorstandsmitgliedern (Satzung Falken Berlin).
Finanzierung
Der Bundesverband der SJD – Die Falken wird zentral über den Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) gefördert. Dem Lobbyregister-Eintrag R004250 (aktualisiert Juli 2025) ist zu entnehmen, dass der Bundesverband vom BMFSFJ jährlich 900.001 bis 910.000 € erhält. Für den Zeitraum 2016–2026 belaufen sich die KJP-Infrastrukturmittel auf insgesamt rund 12,98 Millionen € (12.886.472 € Infrastrukturförderung + 94.640 € Jugendbudget). Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage des AfD-Abgeordneten Markus Matzerath hervor, die im April 2026 publik wurde (Apollo News, April 2026).
Konkrete Zahlen zur Landesverbandsförderung Berlin aus Berliner Senatsmitteln sind öffentlich nicht vollständig einsehbar. Der Landesverband ist Mitglied des Landesjugendrings Berlin und damit auch Empfänger landesweiter Jugendverbandsmittel. Für einen Überblick über die Förderlinien und Empfänger dokumentiert die FragDenStaat-Anfrage „Förderprogramm für SJD – Die Falken" den Zuwendungsrahmen auf Bundesebene.
Projektmittel bezieht der Landesverband zusätzlich über zivilgesellschaftliche Fördermittelgeber. Im Fall des Theaterprojekts „Mut" wurde der Workshop laut Stellungnahme der Amadeu Antonio Stiftung vom 15. April 2026 „auf Grundlage eines Förderantrags finanziell unterstützt". Die konkrete Fördersumme für dieses Einzelprojekt ist bisher nicht öffentlich beziffert.
Fall Oberschule Schleife (2026)
Im Januar 2026 wandte sich der Projektträger an die Schulleitung der Oberschule Schleife im sächsischen Landkreis Görlitz und bot eine fünftägige Projektwoche mit dem Titel „Mut" an, Themenschwerpunkt: „Zukunftsängste und Krisenbewältigung" unter Jugendlichen. Die Amadeu Antonio Stiftung wurde dabei als finanzielle Förderin benannt. Die Projektwoche fand Mitte März 2026 statt; durchgeführt wurde sie von zwei Referentinnen, die sich gegenüber der Klasse mit den Vornamen „Paula und Alma" vorstellten und auf Pronomen statt Vornamen als Anrede bestanden.
Nach Darstellungen mehrerer Eltern gegenüber der WELT und t-online wurden im Rahmen des Workshops an Schüler einer 9. Klasse pornografische Bildinhalte verteilt — konkret Nahaufnahmen männlicher Genitalien und Darstellungen von Oralsex zwischen Männern. Zusätzlich lagen im Klassenzimmer Flyer mit Parolen wie „FUCK AfD" und „Höcke ist ein Nazi". Überliefert ist auch die im WELT-Titel zitierte Bemerkung — „kein Wunder, hier ist ja Fascholand" — sowie eine Reaktion gegenüber der Schülerin Leonie, die darauf bestanden hatte, mit ihrem Vornamen angesprochen zu werden: in einem „Nazi-Sachsen" habe man ohnehin nichts anderes erwartet.
Schulleiter Jan Rehor brach das Projekt nach dem ersten Tag ab, nachdem Eltern beschwerden eingereicht hatten: „Als ich davon erfahren habe, habe ich sofort reagiert und das Projekt gestoppt" (t-online). Das Landesamt für Schule und Bildung prüft mögliche Verstöße gegen das sächsische Schulgesetz. Die Polizei ermittelt gegen die beiden Referentinnen wegen Verdachts des Verstoßes gegen § 184 StGB — Verbreitung pornografischer Inhalte an Minderjährige (Strafrahmen bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe). Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) nannte den Vorgang „unerhört" und stellte weitere Fördermaßnahmen zugunsten der Amadeu Antonio Stiftung im schulischen Bereich in Frage — die AAS müsse sicherstellen, dass Inhalte künftig kritisch geprüft werden, damit „so etwas nie wieder passiert" (ostdeutscheallgemeine.com). Der Bürgermeister der Gemeinde Schleife, Jörg Funda (CDU), lud den Schuldirektor zur Aussprache vor.
Eine ursprünglich verbreitete Zuschreibung an das Hamburger „Mut!"-Theater stellte sich als Verwechslung heraus: Mahmut Canbay, künstlerischer Leiter des Hamburger Theaters, erklärte öffentlich, sein Haus sei „in keiner Weise" am Projekt in Schleife beteiligt — die Theaterarbeit seines Hauses finde „ausschließlich in Hamburg" statt (muttheater.de).
Position der Falken Berlin / AAS: Die Amadeu Antonio Stiftung stoppte nach Bekanntwerden des Vorfalls die Förderung umgehend und entschuldigte sich bei den betroffenen Schülern, Eltern und Schulmitarbeitern. Eine eigenständige Stellungnahme des Landesverbandes Berlin der Falken zum Fall war zum Zeitpunkt dieses Eintrags (16. April 2026) öffentlich nicht auffindbar. Die AAS formulierte in ihrer Stellungnahme: „Weitere Maßnahmen werden derzeit mit dem Projektträger geklärt."
Verflechtungen
Als SPD-nahe Jugendorganisation pflegt der Bundesverband der Falken strukturelle Nähe zu sozialdemokratischen Strukturen und zu weiteren anerkannten Trägern der Kinder- und Jugendhilfe. Der Landesverband Berlin ist Mitglied des Landesjugendrings Berlin. Für den konkreten Fall Schleife relevant sind folgende Verbindungen:
Eine Auflistung der Dauerpartnerschaften des Landesverbandes Berlin jenseits des KJP ist der öffentlich zugänglichen Selbstdarstellung nicht systematisch zu entnehmen. Der SJD-Bundesverband ist im Lobbyregister des Deutschen Bundestags unter R004250 eingetragen (Stand Juli 2025, 2 aktive Lobbyisten, Themenbereich: Kinder- und Jugendpolitik). Als registrierter Interessenvertreter beim Bundestag empfängt der Bundesverband gleichzeitig KJP-Bundesmittel von ca. 900.000 € jährlich — eine Doppelrolle (Fördermittelempfänger und Lobbyist), die parlamentarisch diskutiert wird.
Einordnung
Für Steuerlupe ist der Fall Schleife weniger eine organisatorische Einzelbewertung der Falken Berlin als eine Fragestellung an das Förder-Ökosystem insgesamt: Eine bundesgeförderte NGO (Amadeu Antonio Stiftung) leitet Mittel an einen Landesverband eines anerkannten Bundesträgers weiter — ohne inhaltliche Kontrolle des Endproduktes, das an einer staatlichen Schule einer Minderjährigengruppe präsentiert wird. Die Prüfverantwortung liegt am Ende bei der jeweiligen Schulleitung und den Eltern, nicht bei der fördermittelverwaltenden Stelle.
Zur Diskussion steht damit nicht die Tätigkeit der Falken als Jugendverband insgesamt, sondern (a) die Qualifikation und Vorqualifizierung von externen Referenten bei Projekten an allgemeinbildenden Schulen, (b) die Kontrollkette zwischen Fördermittelgeber (AAS) und Projektträger (Falken Berlin), und (c) die Haftungsfrage, wenn bei solchen Projekten strafrechtlich relevante Inhalte in Klassenzimmern landen.
Offene Fragen: Wie hoch war die konkrete Fördersumme der AAS für das Projekt „Mut"? Hat der Landesverband Berlin oder der Bundesverband bereits eine öffentliche Stellungnahme abgegeben? Welche Qualifikationen hatten die beiden Referentinnen? Wurden Anti-AfD-Flyer als pädagogisches Material oder als persönliches Material der Referentinnen eingebracht?
Gegenposition
Der Bundesverband SJD – Die Falken betont, ein anerkannter Träger der Kinder- und Jugendhilfe nach SGB VIII zu sein, dessen Gemeinnützigkeit seit Jahrzehnten behördlich anerkannt ist. Das sozialistisch geprägte Selbstverständnis sei Ausdruck politischer Bildungsarbeit in einem demokratisch verfassten Verband, der sich ausdrücklich zum Grundgesetz bekenne. Die Förderung durch den KJP werde nach einheitlichen gesetzlichen Kriterien gewährt und stehe dem Verband als anerkanntem Jugendverband auf derselben Grundlage zu wie allen anderen anerkannten Trägern.
Zum Schleife-Vorfall veröffentlichte die Amadeu Antonio Stiftung am 15. April 2026 eine Stellungnahme, in der sie die Förderung des Projekts „Mut" umgehend stoppte und sich bei den Betroffenen entschuldigte. Der Landesverband Berlin der Falken hat zum Zeitpunkt der letzten Recherche (9. Mai 2026) keine eigenständige öffentliche Stellungnahme veröffentlicht; eine interne Klärung wurde laut AAS-Stellungnahme eingeleitet. Die Falken betonen in anderen Kontexten, ihr Selbstverständnis als linke Organisation umfasse ausdrücklich die Ablehnung von Antisemitismus sowie von Rassismus gegen Palästinenser — eine „Doppelte Solidarität" (Bundesposition, September 2024, Mannheim), die BDS-Boycottkampagnen nicht teilt (Wir Falken, September 2024).
Hinsichtlich des Lobbyregisters: Der Bundesverband ist unter R004250 eingetragen und erfüllt damit die gesetzliche Transparenzpflicht. Das angegebene Lobbybudget von 0 € spiegelt die Eigeneinschätzung der Interessenvertretungsintensität wider; ob dies die tatsächlichen Aktivitäten vollständig abbildet, ist eine offene Frage.