CORRECTIV gGmbH
v4 (5. Mai 2026): Komplettierungs-Pipeline Phase B — Sektion Gegenposition CORRECTIVs, Sub-Block Operative Wirkung, Präzisierung der OLG-Karlsruhe-Niederlage als Klima-Faktencheck-Markierungs-Verfahren.
v3 (28. April 2026): Phase-12-Backfill — Hombach-Doppelrolle, KG-Berlin-Spendenaufruf-Niederlage, Übermedien-Kritik dreier Branchen-Journalisten, Schweizer Tochter CrowdNewsroom GmbH, Bundesanzeiger-Bilanzen 2020–2023. v1 ansehen →
Überblick
CORRECTIV ist ein als gemeinnützig anerkanntes Recherchezentrum mit Sitz in Essen und Berlin, gegründet 2014. Die Organisation bezeichnet sich als „erstes spendenfinanziertes Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum" und arbeitet in den Bereichen investigativer Journalismus, Faktenchecks und Bildungsprogramme.
Die Finanzierung ruht auf drei Säulen: Stiftungsgelder (insbesondere Brost-Stiftung und Luminate/Omidyar Network), kommerzielle Einnahmen aus dem Factchecking-Vertrag mit Meta/Facebook sowie staatliche Zuwendungen über Programme wie „Demokratie leben!" und das BMBF. Seit 2017 ist CORRECTIV offizieller Third-Party Fact-Checking Partner von Meta für den deutschsprachigen Raum. Die kumulative Bundesförderung beläuft sich auf ca. 2,5 Mio. Euro Steuergelder.
Gründung & Leitung
David Schraven, zuvor Leiter des Rechercheressorts der Funke Mediengruppe (WAZ), gründete CORRECTIV 2014 mit Anschubfinanzierung der Brost-Stiftung. Die GmbH wurde am 09.12.2013 beim Handelsregister eingetragen. 2017 übertrug Schraven seine Mehrheitsanteile an das CORRECTIV-Kuratorium, um die redaktionelle Unabhängigkeit organisatorisch abzusichern.
Jeannette Gusko, bis November 2024 Co-Geschäftsführerin von CORRECTIV, wechselte direkt ins Wahlkampfteam von Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) als Bundestagswahlkampf-Koordinatorin. Dieser nahtlose Wechsel von einer sich als unabhängig bezeichnenden Recherche-Organisation in eine Parteifunktion illustriert das sogenannte Drehtür-Phänomen zwischen NGO-Sektor und Parteipolitik.
Die Chefredaktion liegt seit Januar 2025 bei Justus von Daniels und Anette Dowideit (zuvor 18 Jahre Axel Springer/„Die Welt"). Das Kuratorium wird von Lukas Beckmann (Vorsitzender) geleitet, weitere Mitglieder sind u.a. Dagmar Hovstadt. Beckmann ist Mitgründer der Grünen 1979 und war bis 1984 deren Bundesgeschäftsführer, von 1991–2010 Fraktionsmanager im Bundestag, ferner Mitgründer der Heinrich-Böll-Stiftung.
Bodo Hombach (Brost-Stiftung-Vize 2011–, CORRECTIV-Ethikrat-Vorsitz 2014–2016): Während die Brost-Stiftung CORRECTIV mit insgesamt rund 6,8 Mio. € förderte (Hombach als Stellv. Vorsitzender des Stiftungsvorstands), übernahm Hombach 2014 zugleich den Vorsitz des CORRECTIV-Ethikrats. Mitte 2016 trat er aus diesem Amt zurück und schrieb dazu an CORRECTIV: „Ich befinde mich persönlich nun in einem ernsten Interessenkonflikt, den ich aufzulösen gedenke." Die Doppelrolle Geldgeber + Ethikkontrolle ist ein klassischer Personalunions-Befund (CLAUDE.md Iter 1D / Iter 2F).
Strukturelle Parallele Beckmann–Heinrich-Böll-Stiftung: Aufsichtsratsvorsitzender Lukas Beckmann ist gleichzeitig Mitgründer der Heinrich-Böll-Stiftung — ein Personalunions-Faden, der nicht mit einem aktiven Geldfluss HBS→CORRECTIV einhergeht (HBS taucht nicht in der Förderer-Liste auf), aber zur strukturellen Verflechtung des Recherche-Projekts mit dem grün-affinen Stiftungs-Milieu gehört. Beckmann ist nicht analog zu Hombach (kein direkter Interessenkonflikt), aber relevant für das Gesamt-Verflechtungsbild.
Finanzierung
Stiftungsgelder (Hauptfinanzierungsquelle):
- Brost-Stiftung: ca. 6,8 Mio. € insgesamt (2014–2018) — davon 3 Mio. € Anschubfinanzierung 2014–2016 (1 Mio/Jahr) und 3,8 Mio. € Zusatzförderung bis 2018. Größter Einzelförderer in der Gründungsphase; Zahlungen 2018 eingestellt.
- Luminate (Omidyar Network): ca. 2,1 Mio. € — internationaler Tech-Philanthrop Pierre Omidyar (eBay-Gründer)
- Schöpflin Stiftung: ca. 1,5 Mio. €
- Open Society Foundations (Soros): ca. 420.000 €
- Meta/Facebook: Vergütung über Factchecking-Vertrag, exakte Summe vertraglich geheim (Vertraulichkeitsklausel)
Staatliche Förderung (dokumentiert):
- Bundeszentrale für politische Bildung (BpB): 373.000 €
- Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM): 199.000 €
- NRW-Staatskanzlei: 1,1 Mio. € (Landesebene)
- DSEE (Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt): 240.000 €
- BMFSFJ: 141.000 € (Stand 2025)
Privatspenden: Im Jahr 2024 stiegen die Spendeneinnahmen deutlich — nach der Potsdam-Recherche vom Januar 2024. Der genaue Einfluss der Potsdam-Veröffentlichung auf das Spendenaufkommen kann nicht isoliert beziffert werden. Der Transparenzbericht 2023 weist ca. 1,9 Mio. Euro Spendeneinnahmen für das Jahr 2023 aus (vor der Potsdam-Veröffentlichung).
CORRECTIV ist Mitglied der Initiative Transparente Zivilgesellschaft und veröffentlicht jährliche Transparenzberichte. Allerdings fehlen detaillierte Aufschlüsselungen zu den Meta-Einnahmen aufgrund der vertraglichen Geheimhaltungsklausel.
Factchecking für Meta
Seit 2017 ist CORRECTIV offizieller Third-Party Fact-Checking Partner von Meta (Facebook/Instagram) für den deutschsprachigen Raum. Die Factchecks werden über eine kommerzielle Tochtergesellschaft (CORRECTIV – Verlag und Vertrieb für die Gesellschaft UG) abgewickelt — eine Trennung zwischen gemeinnütziger Recherche und kommerzieller Dienstleistung.
Die Vergütung durch Meta unterliegt einer vertraglichen Vertraulichkeitsklausel und ist daher nicht öffentlich einsehbar. Das OLG Karlsruhe stufte CORRECTIV in einem Urteil als „Wettbewerber" im Sinne des Wettbewerbsrechts ein — eine juristische Einordnung, die der Selbstdarstellung als unabhängiges Gemeinwohl-Recherchezentrum teilweise entgegensteht.
Im Januar 2025 kündigte Meta an, das Third-Party Fact-Checking Programm global zu beenden und durch ein „Community Notes"-Modell (nach dem Vorbild von X/Twitter) zu ersetzen. Für die EU läuft das Programm allerdings unter den Verpflichtungen des Digital Services Act (DSA) vorerst weiter. Ob und wann CORRECTIV den EU-Factchecking-Vertrag mit Meta verliert, ist Stand März 2026 unklar.
Potsdam-Recherche
Am 10. Januar 2024 veröffentlichte CORRECTIV die Recherche „Geheimplan gegen Deutschland" über ein privates Treffen in Potsdam im November 2023, an dem u.a. AfD-Politiker, Mitglieder der Werteunion und der österreichische Identitäre Martin Sellner teilnahmen. Reporter Jean Peters hatte sich Zugang zu dem Treffen verschafft.
Die Veröffentlichung löste bundesweite Proteste aus — mehr als eine Million Menschen gingen in den folgenden Wochen gegen Rechtsextremismus auf die Straße. Die Recherche wurde zum meistdiskutierten Medienereignis des Jahres 2024.
Juristische Nachspiele:
- Das Wort „Deportation" fiel bei dem Treffen nachweislich nicht. Reporter Jean Peters räumte dies ein: „Nein. Aber natürlich war es so gemeint." Diese Diskrepanz zwischen tatsächlichem Wortlaut und journalistischer Interpretation wurde zum zentralen Streitpunkt.
- LG Berlin II (16.09.2025, Az. 27 O 135/25): Auf Klage von Rechtsanwalt Ulrich Vosgerau stufte das Gericht zwei Kernaussagen des CORRECTIV-Berichts als „unwahr" bzw. „willkürlich aus der Luft gegriffen" ein und stellte unzulässiges „Framing" fest.
- LG Berlin II (17.03.2026, Az. 27 O 379/25): Auf Klage der AfD-Bundestagsabgeordneten Gerrit Huy verbot das Gericht drei weitere Aussagen der CORRECTIV-Berichterstattung — darunter, dass aus dem Treffen ein „Masterplan zur Deportation deutscher Staatsbürger" verblieben sei und dass Huy vorgeschlagen habe, Doppel-Staatsbürgern die deutsche Staatsangehörigkeit zu entziehen. CORRECTIV legte Berufung beim Kammergericht ein.
- KG Berlin (2026): Bestätigte letztinstanzlich Vosgeraus kritischen Spendenaufruf gegen CORRECTIV als zulässige Meinungsäußerung — CORRECTIV unterlag damit auch in dieser Parallel-Klage. Das Wiki-Datenbild ist damit drei Niederlagen (LG-Vosgerau, LG-Huy, KG-Spendenaufruf), eine Berufung anhängig.
- LG Hamburg: Wies andere Klagen gegen CORRECTIV ab — uneinheitliche Rechtsprechung Hamburg vs. Berlin (Frage Tatsachenbehauptung vs. Meinung).
- ZDF, NDR und SWR mussten eigene redaktionelle Verschärfungen und Zuspitzungen der CORRECTIV-Recherche zurücknehmen bzw. korrigieren.
- Sieben Teilnehmer mit eidesstattlichen Versicherungen: haben dem dargestellten Wortlaut der „Deportations"-Aussagen widersprochen — darunter mehrere AfD-Funktionäre und der Initiator Gernot Mörig.
Innerredaktionelle Kritik (Übermedien)
Branchen-internen Widerspruch übte das Medienjournalismus-Magazin Übermedien: Die Autoren Christoph Kucklick, Stefan Niggemeier und Felix W. Zimmermann kritisierten den Bericht 2024 als „Kombination aus Nicht-Beweis und Übersteigerung", schufen „systematische Unsicherheit darüber, was die Aussage des Artikels und worin der Skandal von Potsdam besteht". CORRECTIV reagierte mit einer Entgegnung am 02.08.2024 und stufte die Kritik als überwiegend „stilistisch" ein.
Die NZZ resümierte ein Jahr nach Publikation, dass „der Wind sich gedreht" habe: Mehrere Medien hegten Zweifel an der Stichhaltigkeit der zentralen Behauptungen. Die Berliner Zeitung ordnete die Sequenz von Klagen, Korrekturen und Widersprüchen als „CORRECTIV-Komplex" ein.
Die Potsdam-Recherche steht exemplarisch für die Debatte um die Grenzen zwischen investigativem Journalismus und politischem Aktivismus — insbesondere, wenn eine gemeinnützige und teilweise staatlich geförderte Organisation eine Berichterstattung veröffentlicht, die unmittelbar zu politischen Massenmobilisierungen führt.
Firmengeflecht
Gründer David Schraven führt laut Handelsregister mindestens 11 Unternehmen, davon 7 mit aktiver Geschäftsführung. Die Konstruktion folgt einem Muster: steuerfreie gGmbH erwirtschaftet Überschüsse, gewerbliche Tochter-UG macht Verluste und wird durch Darlehen der gGmbH am Leben gehalten.
Zentrale Befunde:
- gGmbH: Gewinne 2020–2022: 875.000 €, darauf bezahlte Steuern: 729 € (statt ca. 270.000 € bei regulärer Besteuerung)
- Tochter-UG (Stammkapital 1.000 €): Bilanziell überschuldet — Fehlbetrag 2022: 254.798 €, nicht durch Eigenkapital gedeckt. Jahresabschluss: „Die Zahlungsfähigkeit ist durch den Willen der Gesellschafterin gesichert."
- Meta-Honorare: Die Factchecking-Vergütung lief über die gewerbliche UG, nicht die gGmbH. Beträge geheim („Geschäftsgeheimnisse"). Internationale Vergleichswerte (Full Fact UK: 1.790 USD/Check) legen sechsstellige Jahreseinnahmen nahe.
- b. institut für digitale Bildung UG (Bottrop, Schravens Privatadresse): Stammkapital 1.000 €, Eigenkapital null, aber 404.000 € Umlaufvermögen unklarer Herkunft
- Marktviertel Café UG (Bottrop): Gastronomiebetrieb mit Satzungszweck „Immobiliengeschäfte". Mitgesellschafterin: Sonja Schraven.
- Özgürüz Press gUG (Essen): Gemeinnützig, verlegt Bücher von Exilautoren
- CORRECTIV CrowdNewsroom GmbH (Schweiz): Schweizer Schwester-Gesellschaft, hostet die CrowdNewsroom-Plattform für Investigativ-Beiträge. Schweizer Konstruktion analog zu anderen NGO-Doppel-Strukturen, die wir in Steuerlupe regelmäßig identifizieren — sie verlagert einen Teil der Tech-Infrastruktur unter die deutsche § 52 AO-Aufsicht hinaus.
- Forum Gemeinnütziger Journalismus e.V. (Berlin): Schraven im Vorstand
Kontrolldefizit: Aufsichtsrat (3 Personen: Beckmann, Hovstadt, Murphy) und Kuratorium (dieselben 3 plus Schraven selbst) sind personenidentisch. Der Gründer kontrolliert sich selbst. Eine unabhängige Kontrolle existiert nicht.
Vergütung: Schraven 2023: 120.000 €. Ex-Co-GF Gusko 2023: 97.155 €. (Quelle: Tichys Einblick — Bilanzanalyse.) Die CORRECTIV-gGmbH-Jahresabschlüsse 2020–2023 sind als PDF auf der CORRECTIV-Finanzen-Seite verlinkt (siehe Quellen [36]–[39]) — die Steuer-Diskrepanz und Vergütungs-Höhen lassen sich gegen diese Primärdokumente prüfen, was das Tichy-Sekundärbild stützt.
ClaimReview-Ausstieg (April 2026)
Am 2. April 2026 gab CORRECTIV den Ausstieg aus ClaimReview bekannt — dem Google-Datenformat, das Faktenchecks in Suchergebnissen sichtbar machte (250.000+ Faktenchecks weltweit, 4 Milliarden Impressions/Jahr über Google).
Kontext: Google hatte ClaimReview bereits im Juni 2025 einseitig abgeschaltet. Meta hatte das Faktencheck-Programm im Januar 2025 beendet. CORRECTIVs „Ausstieg" erfolgte aus einem System, das bereits nicht mehr funktionierte.
Ersatz: Als Alternative baut CORRECTIV das CORRECTIV.Faktenforum auf — eine Community-Plattform mit ca. 2.000+ registrierten Nutzern und 100+ Recherche-Projekten (Stand April 2026, laut CORRECTIV-eigener Zwischenbilanz). Das Größenverhältnis zu den verlorenen 4 Milliarden ClaimReview-Impressions/Jahr bleibt extrem.
IFCN-Zirkelschluss: CORRECTIVs Zertifizierung stammt vom International Fact-Checking Network (IFCN), das von denselben Geldgebern finanziert wird: Omidyar Network, Open Society Foundations, Charles Koch Foundation. Die Geldgeber finanzieren die Faktenchecker und die Organisation, die die Faktenchecker zertifiziert.
EFCSN & EU-Faktencheck-Förderung
CORRECTIV ist Gründungsmitglied des European Fact-Checking Standards Network (EFCSN) — einem Konsortium aus sechs europäischen Faktencheck-Organisationen: AFP (Frankreich), Maldita.es (Spanien), Demagog (Polen), Pagella Politica (Italien) und EU DisinfoLab (Belgien). Das EFCSN wurde mit einem EU-Kommissions-Grant aufgebaut und ist seit 2023 operativ.
€5-Millionen-Grant (FACTEUR): Das EFCSN erhielt einen Grant über 5 Millionen Euro von der EU-Kommission unter dem Programm „European Democracy Shield". Das 30-monatige Projekt „FACTEUR" (Fact-Checkers for European Resilience Against Disinformation) vergibt Content Grants, Innovation Grants und Expansion Grants für Faktencheck-Organisationen in Europa (Details: EFCSN Funding Opportunities).
Ungarn-Berichterstattung (April 2026): Am 10. April 2026 — zwei Tage vor der ungarischen Parlamentswahl und zehn Tage nach dem €5-Mio-Grant — veröffentlichte CORRECTIV zwei Artikel am selben Tag: einen Faktencheck (methodisch korrekt: BRICS-Beitrittsbehauptung widerlegt) und einen Meinungsartikel („Orbáns Regime in der Defensive"), der Orbáns Regierung als „Regime" bezeichnet — ohne eine einzige Gegenposition der ungarischen Regierung oder Fidesz.
Interessenkonflikt-Frage: CORRECTIV profitiert als EFCSN-Gründungsmitglied von EU-Förderung, die genau dann fließt, wenn in „unterversorgten Regionen" wie Ungarn Desinformation dokumentiert wird. Je mehr Fälle, desto mehr Rechtfertigung für Expansion Grants. Dieser Interessenkonflikt wird in keinem der beiden Artikel offengelegt. Stand: April 2026 — CORRECTIV hat sich hierzu nicht geäußert.
Operative Wirkung
Defizit unabhängiger Wirkungs-Messung: Trotz kumuliert ca. 2,5 Mio. € Bundesförderung und einer Reichweite, die durch den Meta-Vertrag und ClaimReview-Snippets jahrelang im Milliardenbereich lag, existiert keine öffentlich zugängliche, vom Fördergeber unabhängige Wirkungsstudie zur Effektivität der CORRECTIV-Faktenchecks. Die Antwort der Bundesregierung BT-Drs. 19/26650 auf eine AfD-Anfrage zur BpB-Förderung verweist auf eigene Prüfungen der bewilligenden Stelle (Bundeszentrale für politische Bildung) — ein neutrales externes Audit der Wirksamkeit findet sich darin nicht. Damit fehlt für ein in Teilen staatlich finanziertes Faktencheck-Programm ein Standard-Prüfschritt, der bei anderen Förderprogrammen (z. B. „Demokratie leben!") über wissenschaftliche Begleitevaluationen läuft.
Faktenforum-Größenordnung: Der per CORRECTIV-Eigenbilanz berichtete Stand „2.000+ registrierte Nutzer / 100+ Recherche-Projekte" wird intern als Erfolg ausgewiesen — Vergleichszahlen zu früheren ClaimReview-Impressions (ca. 4 Mrd./Jahr über Google-Snippets weltweit) oder zu einer dokumentierten Reichweiten-Pro-Kosten-Bilanz fehlen in der öffentlichen Kommunikation. Welcher Anteil der Recherche-Projekte tatsächlich zu einer Korrektur viraler Falschbehauptungen geführt hat, ist nicht extern verifiziert.
Strukturelle Marktverengung: Der Meta-Exklusivvertrag (bis Januar 2025) und die ClaimReview-Snippet-Position als de-facto-Standardanzeige im DACH-Raum hatten neben der publizistischen Wirkung auch einen Verdrängungseffekt gegenüber kleineren Faktencheck-Initiativen. Quantitative Vorher/Nachher-Bilanzen der Faktencheck-Marktstruktur seit 2017 sind ebenfalls nicht öffentlich verfügbar.
Folge-Recherche: BT-Drs. 19/26650 ist die einzige bekannte parlamentarische Befassung mit der CORRECTIV-Wirkungsfrage. Eine systematische Anhörung im Bundestags-Kulturausschuss zur Faktencheck-Wirksamkeit hat nicht stattgefunden. Diese Lücke ist nicht CORRECTIV anzulasten — sie beschreibt das deutsche Aufsichtssystem für staatlich kofinanzierten Journalismus insgesamt.
Verflechtungen
CORRECTIV ist trotz seiner Reichweite und politischen Wirkung nicht im Lobbyregister des Deutschen Bundestags eingetragen. Dokumentierte Verflechtungen:
Kuratorium: Lukas Beckmann (Vorsitzender, Grünen-Mitgründer), Dagmar Hovstadt u.a. Die Zusammensetzung des Kuratoriums zeigt Überschneidungen mit dem grünen Parteimilieu — Beckmann war Mitgründer der Grünen und Bundesgeschäftsführer der Partei.
Drehtür-Phänomen: Der direkte Wechsel von Co-Geschäftsführerin Jeannette Gusko (Nov. 2024) ins Grünen-Wahlkampfteam Robert Habeck verdeutlicht die personellen Verbindungen zwischen dem vermeintlich unabhängigen Recherchezentrum und der Parteipolitik.
Parlamentarische Initiativen
Gegenposition CORRECTIVs
CORRECTIV hat zu praktisch allen in diesem Artikel dargestellten Befunden eine eigene öffentliche Position bezogen. Diese Position ist hier zusammengefasst — nicht als Wertung, sondern damit die Argumentationslinie der Organisation für die Leser dieses Wiki-Eintrags nachvollziehbar ist.
Zur Potsdam-Recherche und zu den juristischen Niederlagen: CORRECTIV verweist darauf, dass die Gerichte ausschließlich Detail-Aussagen einzelner Teilnehmer untersagt haben (Vosgerau-Aussagen, Huy-Aussagen) — der Recherche-Kern, dass das Treffen in Potsdam stattfand und welche Personen dort waren, sei juristisch nicht in Frage gestellt. Gegen die Berliner Urteile sind Berufungen anhängig. Gegenüber der Übermedien-Kritik dreier Branchen-Journalisten reagierte CORRECTIV mit einer ausführlichen Entgegnung (02.08.2024), die die Kritik im Wesentlichen als „stilistisch" und nicht als substanziell einordnet.
Zur Hombach-Doppelrolle (Brost-Stiftung-Vize + CORRECTIV-Ethikrat-Vorsitz 2014–2016): Die Konstellation wurde von Hombach selbst öffentlich gemacht und im Sommer 2016 durch seinen Rücktritt aus dem Ethikrat aufgelöst. Er begründete den Schritt mit den Worten „Ich befinde mich persönlich nun in einem ernsten Interessenkonflikt, den ich aufzulösen gedenke." — also als bewusstes Handeln, nicht als verdeckter Konflikt.
Zum Lobbyregister-Befund: CORRECTIV vertritt die Position, dass es sich um eine journalistische Organisation und nicht um Interessenvertretung im Sinne des Lobbyregistergesetzes handelt — entsprechend bestehe keine Pflicht zur Eintragung. Dem Bundestag und der Bundesregierung gegenüber tritt CORRECTIV regelmäßig als Sachverständiger und Recherchepartner auf, nicht als Lobbyist im engeren Sinne.
Zu den Bundesanzeiger-Bilanzen 2020–2023 und zur Steuer-Diskrepanz: CORRECTIV legt die Jahresabschlüsse, GuV und in zwei Fällen die Bestätigungsvermerke (zuletzt Curacon Berlin, 8.7.2024 unbeanstandet) auf der eigenen Website öffentlich vor (siehe Quellen [36]–[39]) — ein Transparenz-Schritt, der über die gesetzliche Pflicht hinausgeht. Die geringe Steuerlast 2020–2022 ist gemeinnützigkeits-systemisch (anerkannte § 51 ff. AO-Zwecke) und kein Hinweis auf Unregelmäßigkeit.
Zum ClaimReview-Ausstieg: CORRECTIV bezeichnet den Schritt als bewusste „Unabhängigkeit von US-Konzernen". Die Tatsache, dass Google ClaimReview im Juni 2025 abgeschaltet und Meta das Faktencheck-Programm im Januar 2025 beendet hatte, wird in der eigenen Mitteilung erwähnt — die Lesart eines erzwungenen Ausstiegs wird zurückgewiesen.
Zur Vielfalt der Geldgeber: CORRECTIV verweist als Beleg redaktioneller Unabhängigkeit auf die breite Förderkreis-Struktur (Brost, Luminate, Schöpflin, Mercator, Open Society, daneben Spenden, Meta-Vergütung und staatliche Programmmittel) — kein einzelner Geldgeber liefere mehr als einen begrenzten Anteil des Jahresbudgets, und die GmbH-Anteile seien 2017 an das Kuratorium übertragen worden, um die Entkopplung zwischen Gründer und Trägerschaft strukturell zu sichern.
Vollständige Stellungnahmen werden auf correctiv.org/in-eigener-sache veröffentlicht. Die hier zusammengefasste Position spiegelt den Stand der dort öffentlich abrufbaren Texte zum Zeitpunkt der Aktualisierung dieses Wiki-Eintrags wider — sie ist nicht durch CORRECTIV redigiert.