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Campact e.V.

Update 7. Mai 2026 (v2): Welle-3-Backfill mit Recherche-Pflicht-Schema. Neu hinzugefügt: Sektion Gerichtsverfahren (5 verifizierte Urteile 2024-2026), Sektion Historische Lasten (Personenkontinuität Kolb/Bautz von Attac 2000 + X-tausendmal-quer 1996 + Bewegungsstiftung 2002), Sektion Gegenposition mit fünf wörtlichen Campact-Stellungnahmen (Blog 10.03.2026). Lobbyregister-Daten 2024 ergänzt (7,37 Mio. € Lobby-Aufwendungen). Provenance auf welle-3-2026-05-07 aktualisiert.
Campact
Kurzprofil
TypEingetragener Verein
Gründung2004
GründerChristoph Bautz, Felix Kolb
GeschäftsführungChristoph Bautz, Astrid Deilmann
SitzVerden (Aller)
Jahresbudget24,6 Mio. €
Mitglieder/Unterstützerca. 4,25 Mio.
GemeinnützigkeitEntzogen 2019
HaupttätigkeitOnline-Kampagnen
KategorieNGO-Komplex

Überblick

Campact e.V. wurde 2004 von Christoph Bautz und Dr. Felix Kolb gegründet und ist heute eine der größten politischen Kampagnenorganisationen Deutschlands. Mit einem Jahresbudget von 24,6 Mio. € (2024) und 4,25 Millionen Unterstützern betreibt die Organisation systematische Online-Kampagnen und organisiert Großdemonstrationen. Die Geschäftsführung liegt bei Christoph Bautz und Astrid Deilmann.

2019 wurde Campact die Gemeinnützigkeit entzogen (taz). Das Berliner Finanzamt stufte die Tätigkeit als „überwiegend allgemeinpolitisch" ein — nach dem BFH-Urteil gegen Attac. Trotzdem operiert die Organisation weiter und nutzt verwandte Strukturen (WeAct-Plattform, Demokratie-Stiftung Campact) zur Trennung von politischer Kampagnenarbeit (nicht mehr gemeinnützig) und gemeinnützig geförderten Teilbereichen.

Finanzierung

Einnahmen 2024 (Campact Transparenzbericht):

  • Campact e.V.: 24,63 Mio. € (57% Förderbeiträge, 30% Kampagnenspenden, 12% freie Spenden)
  • Demokratie-Stiftung Campact: 4,3 Mio. € → Ausgaben: 3,7 Mio. €
  • Gesamt Campact-Netzwerk: ~28,9 Mio. €
  • Förderer Ende 2024: 127.668 Personen (+44% ggü. Vorjahr), Ø 10,04 €/Monat

Ausländische Großspender (belegt durch Transparenzberichte 2019–2022):

  • Open Society Foundations (Soros): €268.838 für „Demokratieprojekte" (2022)
  • ClimateWorks Foundation (USA): €153.711 (2019), €157.139 (2020), €142.904 (2021) — Anti-Kohle/Klimakampagnen
  • European Climate Foundation (Den Haag): €55.000 (2021), €80.000 (2022)

Eine parlamentarische Anfrage im EU-Parlament (E-001842/2024) thematisierte die ausländische Einflussnahme auf deutsche Wahlen über Campact.

Parteispenden 2024 (laut Bundestagsverwaltung (offizielle Fundstellenliste) + NachDenkSeiten):

  • Grüne: ca. €161.300 (01.08.2024) + ca. €72.000 (11.09.2024) = ca. €233.300
  • SPD: ca. €110.000 (12.09.2024) + ca. €50.000 (16.09.2024) = ca. €160.000
  • Linke: €68.038 (01.08.2024) — laut NachDenkSeiten €96.600 (Abweichung ungeklärt)
  • Gesamt laut Bundestagsverwaltung: ca. €461.000 (3 Parteien); Freie-Wähler-Spende nicht in offizieller Fundstellenliste dokumentiert

Campact war 2024 nach eigenen Angaben der größte Einzelspender für Grüne und Linke (NachDenkSeiten). Die Spenden flossen gezielt vor den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen, um AfD-Direktmandate zu verhindern (CORRECTIV Faktencheck, Sep 2024).

Gemeinnützigkeit — Entzug und Folgen

Der Entzug der Gemeinnützigkeit 2019 durch das Finanzamt Berlin war ein Einschnitt — aber kein wirksames Korrektiv. Die Organisation hat ihre Strukturen so umgebaut, dass die politische Kampagnenarbeit weiterläuft, während formell gemeinnützige Teilprojekte den Steuervorteil behalten.

Politische Kampagnen

Campact führt regelmäßig Kampagnen gegen demokratisch gewählte Parteien und deren Positionen. Das Instrumentarium umfasst Online-Petitionen mit Millionenreichweite, Demonstration-Mobilisierung, Social-Media-Kampagnen und negative Framing-Strategien, die über das Campact-Netzwerk verbreitet werden.

Die Organisation positioniert sich dabei als „Bürgerbewegung", obwohl sie de facto eine professionelle Kampagnenorganisation mit zweistelligem Millionenbudget ist.

Parteiengesetz-Umgehung — Der juristische Streit

Der zentrale Rechtsstreit um Campact dreht sich um § 25 Abs. 2 Nr. 3 Parteiengesetz: Parteien dürfen keine Spenden aus dem Ausland annehmen. Campact erhält aber regelmäßig sechsstellige Beträge aus US-amerikanischen und niederländischen Stiftungen — und ist zugleich einer der größten Parteispender Deutschlands. Die Frage: Wird aus ausländischem Geld deutsches Parteispendengeld, wenn es vorher durch eine deutsche NGO läuft?

Verfassungsrechtler Volker Boehme-Neßler (Universität Oldenburg) sprach gegenüber Multipolar (Sep. 2024) von einer „Umgehung des Parteiengesetzes": „dass der Verein Campact durch sein Handeln die strengen Regeln zur Parteispende umgeht" — Verdacht auf Verstoß gegen § 25 Abs. 2 Nr. 3. Joschka Selinger von der Gesellschaft für Freiheitsrechte hält dagegen: Campact sei nicht gemeinnützig und könne daher frei über seine Mittel verfügen. Zwei Lehrmeinungen, ein ungeklärter Fall.

Parteispenden 2024 (Bundestagsverwaltung): Grüne ca. 233.300 Euro (zwei Überweisungen Aug./Sep.), SPD ca. 160.000 Euro (zwei Überweisungen Sep.), Linke 68.038 Euro (Aug.) — insgesamt laut offizieller Fundstellenliste ca. 461.000 Euro an 3 Parteien. Freie-Wähler-Spende in der offiziellen Fundstellenliste nicht dokumentiert. Vor der Brandenburger Landtagswahl 2024 verteilten sich Spenden rund 232.000 Euro: 72.000 Euro an Grünen-Direktkandidatin Marie Schäffer (Potsdam), 110.000 Euro auf 25 SPD-Kandidaten, je 25.000 Euro als Spendenangebot an vier sächsische Grünen- und Linken-Kandidaten.

Ein-Prozent-Recherche + Strafanzeige: Das Bürgernetzwerk Ein Prozent veröffentlichte die beiden Recherchen „Ausländische Einflussnahme: Campact gegen die AfD" (Sep. 2024) und „Aufgedeckt: das Campact-Kartell gegen die AfD" (März 2026) und erstattete nach eigener Darstellung Strafanzeige wegen mutmaßlicher Umgehung des Parteiengesetzes, zugleich Mitteilung an Bundestagsverwaltung und Finanzämter. Bislang hat die Bundestagsverwaltung kein Verfahren wegen unzulässiger Parteispende öffentlich dokumentiert.

Parlamentarische Anfrage EU: Der Abgeordnete Tomasz Froelich (ESN) richtete am 26.09.2024 die Anfrage E-001842/2024 an die EU-Kommission unter dem Titel „Causa Campact — politische Einflussnahme aus dem Ausland unter Umgehung des deutschen Parteiengesetzes" und stützt sich auf die EU-Empfehlung C(2023)8698 zur Abwehr ausländischer Einmischung in Wahlprozesse.

Mechanik: Die Konstruktion „eine Bewegung — zwei Körperschaften" (Vereins-Eigenbezeichnung) trennt Stiftung (gemeinnützig, sammelt Auslandsspenden) und Verein (nicht gemeinnützig, spendet an Parteien). Der Stiftungsrat wird mehrheitlich vom Vereinsvorstand besetzt — eine saubere Trennung nach Außen, eine personelle Identität nach Innen. Genau in dieser Lücke findet die Umwandlung statt, die das Parteiengesetz nach Lesart seiner Kritiker unterbinden soll.

Netzwerkkarte — Wer mit wem verbunden ist

Interaktive Karte der Verbindungen: Personen (Gründer, Vorstände, Kandidaten), Schwester-Organisationen (WeAct, WeMove, Bewegungsstiftung), HateAid-Gesellschafterstruktur, ausländische Geldgeber (OSF, ClimateWorks, ECF), Parteispenden 2024 und die Medien-Brücke zur taz. Klick auf einen Knoten → Details und alle verknüpften Verbindungen.

Besonders aufschlussreich: Campact-Mitgründer Günter Metzges-Diez arbeitet seit 2019 für die European Climate Foundation (Den Haag) — dieselbe Stiftung, die Campact 2021–2022 mit 135.000 Euro finanziert. Christoph Bautz sitzt im Finanzwende-Aufsichtsrat neben Ex-SPD-Chef Walter-Borjans und Ex-Grünen-MdB Gerhard Schick. Astrid Deilmann ist Campact-Vorstand + taz-Aufsichtsrätin + HateAid-Gesellschaftervertreterin in einer Person.
Campact-Netzwerk (interaktiv)In neuem Tab öffnen ↗

Uckermark 2026 — 38.000 € gegen einen AfD-Landratskandidaten

Fünf Tage vor der Landratswahl am 19. April 2026 im brandenburgischen Landkreis Uckermark (100.003 Wahlberechtigte, 15 %-Quorum) flutete Campact tausende Haushalte mit Briefwahl-Werbung und schaltete begleitende Zeitungsanzeigen. Budget laut Campact-Transparenzbekanntmachung: rund 38.000 Euro. Kampagnenbotschaft: „Dein Kreuz entscheidet, ob die Uckermark bunt, vielfältig und offen bleibt — oder Rechtsextreme regieren."

Die Kandidaten: Amtsinhaberin Karina Dörk (CDU) und Felix Teichner (AfD, Kreisvorsitzender, Landtagsabgeordneter seit 2019). Die Campact-Kampagne nennt weder Dörk noch Teichner explizit. Sie wirkt wie ein überparteilicher Bürgeraufruf — ist aber laut Nordkurier explizit gegen Teichner gerichtet.

Verhältnis zum Wahlkampfbudget der Partei: Das Kampagnenbudget eines einzelnen Versands übersteigt das Gesamtbudget des AfD-Kreisverbands Uckermark für beide gleichzeitig stattfindenden Kommunalwahlen (Landratswahl + Bürgermeisterwahl Nordwestuckermark).

Zeitliche Koinzidenz: Am 14. April 2026 — fünf Tage vor der Wahl — wurde Karina Dörk einstimmig zur Präsidentin des Landkreistages Brandenburg gewählt. Ein Amt, das an ihre Wiederwahl als Landrätin gekoppelt ist.

Vorläufer: Bereits 2024 hatte Campact die Grünen-Direktkandidatin Marie Schäffer in Potsdam mit 25.000 € Spende und 50.000 € Versandkosten an 61.000 Haushalte unterstützt (Nordkurier). SPD-Kulturministerin Manja Schüle nannte das damals „höchst problematisch".

NoAfD-Fonds: Die Uckermark-Kampagne wird aus Campacts 2025 gestartetem NoAfD-Fonds gespeist. Ursprungs-Zielsumme: 1,5 Mio. €. Im März 2026 auf 2,5 Mio. € erhöht, bei über 36.000 Einzelspendern. Verwendungszweck laut Eigendarstellung: Landtagswahlen 2026 in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern — kommunale Interventionen wie in der Uckermark werden aus derselben Infrastruktur finanziert, ohne im Fondsprospekt aufgeführt zu sein.

Verflechtungen

Demokratie leben! Amadeu Antonio Stiftung (€325K) CORRECTIV HateAid gGmbH (33,32%-Beteiligung) WeAct Campact Service GmbH Demokratie-Stiftung Campact Open Society Foundations (Soros) ClimateWorks Foundation (USA) European Climate Foundation Aufstehn.at (Österreich) Zazim (Israel) 38 Degrees (UK) Declic (Rumänien) Centar za promene (Serbien)

HateAid gGmbH: 2018 von Campact mit €25.000 Stammkapital gegründet. Campact hält 33,32% der Anteile (HateAid Transparenzbericht). HateAid erhielt €2.183.250 aus „Demokratie leben!" (2021–2024) für das „Kompetenznetzwerk Hass im Netz" (Bundestag hib). Zusätzlich flossen 2024 €350.000 von der Campact-Stiftung an HateAid. 54 Beschäftigte, €5,77 Mio. Gesamteinnahmen 2024.

Demokratie-Stiftung Campact: Verein und Stiftung bezeichnen sich als „eine Bewegung — zwei Körperschaften" (Stiftungs-Transparenzseite). Die Vorsitzende Daphne Heinsen ist gleichzeitig Vorstandsmitglied des Vereins. Der Stiftungsrat wird mehrheitlich vom Vereinsvorstand besetzt. 2024 verteilte die Stiftung u.a.: €325.000 an AAS (inkl. „Gegenwind"-Förderfonds), €350.000 an HateAid, €30.000 an VVN-BdA, €212.000 an Aufstehn.at.

Internationales Schwesternetzwerk: Campact ist Teil eines globalen Netzwerks gleichartiger Kampagnenorganisationen: Aufstehn.at (Österreich), 38 Degrees (UK), Zazim (Israel), Declic (Rumänien), Centar za promene (Serbien), aHang (Ungarn), Skiftet (Schweden). Die Campact-Stiftung finanzierte 2024 den „Organisationsaufbau" bei Aufstehn.at (€212K), Declic (€138K), Zazim (€100K) und Centar za promene (€30K).

Recherche-Dashboard

Campact e.V. — Wahlkampf-DashboardIn neuem Tab öffnen ↗

Parlamentarische Initiativen

Kleine Anfrage AfD — Förderung des Vereins „Campact e.V." und der Demokratie-Stiftung Campact. Antwort: Campact wird NICHT direkt vom Bund gefördert; HateAid gGmbH (33,32% Campact-Anteil) erhält Demokratie-leben!-Mittel. (BT-Drs. 20/13727 · Antwort: BT-Drs. 20/13984, Nov 2024)
Kleine Anfrage AfD — Etwaige Förderung von „Campact e.V." (BT-Drs. 21/278 · Antwort: BT-Drs. 21/464, Juni 2025)

Gerichtsverfahren — Campact als Klägerin

Campact tritt seit 2024 verstärkt als Klägerin gegen Kritiker auf, die Campact als „mit Steuergeldern finanziert" oder den Spendenmechanismus als illegal bezeichnen. Auf der eigenen Seite „Campact vor Gericht" listet die Organisation eine Serie eigener Erfolge — die Verfahren werden überwiegend gegen Personen aus dem konservativen, libertären und AfD-nahen Spektrum geführt. Eine vollständige Bilanz (Klagen gegen Campact ihrerseits) wird auf der Seite nicht geführt.

  • LG München I, 02.10.2024 — gegen NIUS / Julian Reichelt: teilweise Untersagung weiterer Behauptungen zur Campact-Finanzierung (laut Campact; Az. nicht öffentlich genannt).
  • LG Hamburg, 23.09.2025 — Einstweilige Verfügung gegen X.AI LLC (Elon Musks KI-Chatbot Grok); Aussagen zur Campact-Finanzierung als „unwahre Tatsachenbehauptungen" eingestuft (laut Campact).
  • OLG Hamburg, 03.06.2025 — gegen Anwalt Markus Haintz: untersagte Behauptung, Campact wolle die Offenlegung indirekter staatlicher Zuwendungen über die Tochter HateAid verhindern.
  • OLG Hamburg, 12.03.2026 — vier Verfahren gegen NIUS / Dr. Alexander Kissler / Julian Reichelt zur staatlichen Finanzierungs-These; alle Beklagten haben Entscheidungen rechtskräftig akzeptiert (laut Campact).
  • Kammergericht Berlin, 08.09.2025 — einem AfD-Bundestagsabgeordneten wurde untersagt, Campact als „mit Steuergeld finanzierten Lügenverein" zu bezeichnen.

Pattern: Die Sammlung dokumentiert ausschließlich gewonnene Klagen. Kein Eintrag zu der von Ein Prozent im März 2026 angekündigten Strafanzeige wegen mutmaßlicher Umgehung des Parteiengesetzes — das Verfahren liegt bei der Bundestagsverwaltung und ist Stand Mai 2026 öffentlich nicht entschieden. Verlustfälle oder anhängige Klagen gegen Campact werden auf der Seite nicht geführt.

Historische Lasten — Vorgängerorganisationen und Personenkontinuität

Campact ist nicht ad hoc 2004 entstanden, sondern aus einem genau dokumentierbaren Aktivisten-Milieu. Felix Kolb war ab 1991 Landesjugendsprecher der Naturschutzjugend Rheinland-Pfalz und ab 1996 in der Anti-Atom-Initiative X-tausendmal quer aktiv (Wikipedia). Im Jahr 2000 gründete Kolb gemeinsam mit Sven Giegold (späterer Grünen-MdEP, Staatssekretär unter Habeck), Christoph Bautz und anderen die deutsche Sektion von Attac — die zentrale globalisierungskritische Organisation der frühen 2000er Jahre, deren Gemeinnützigkeit der Bundesfinanzhof am 10.01.2019 (V R 60/17) wegen überwiegend allgemeinpolitischer Tätigkeit aberkannte. Genau dieses Urteil führte sieben Monate später zum Gemeinnützigkeits-Entzug bei Campact.

2002 gründeten Kolb, Bautz und Gerald Neubauer die Bewegungsstiftung, die soziale Bewegungen finanziell unterstützt. Stiftungsvermögen 2017 nach einer Einzel-Schenkung von 1 Mio. € auf über 7 Mio. € gestiegen, aktuell über 200 Stifter — Namen werden auf Wunsch der Spender vertraulich behandelt. Die Bewegungsstiftung ist eine zweite, parallele Förderlinie zur Campact-Stiftung. Bautz und Kolb halten heute keine formalen Positionen mehr in der Bewegungsstiftung, sind aber informell verbunden.

Inspiration aus den USA: Bautz nennt die US-Online-Plattform MoveOn.org als Vorbild der Campact-Gründung 2004. MoveOn war seinerseits 2007 Mitgründer der globalen Online-Kampagnenplattform Avaaz. Bautz sitzt im Aufsichtsrat von WeMove Europe — der gesamteuropäischen Schwesterorganisation Campacts. Das internationale Schwesternetzwerk wird im Wiki bereits in Sektion Verflechtungen aufgeführt; die Personenkontinuität Bautz↔WeMove ist der direkte Brückenkopf.

Keine NS-/Stasi-/K-Gruppen-Befunde: Recherche zu Iter R (historische Lasten) ergab keine Hinweise auf Gründungsmitglieder mit NS-/Stasi-/K-Gruppen-Vergangenheit. Das Aktivisten-Milieu ist post-1990, anti-Atom- und globalisierungskritisch geprägt.

Gegenposition — Campacts eigene Stellungnahme zu den Vorwürfen

Campact hat im März 2026 in einem ausführlichen Blog-Post unter dem Titel „Ist Campact intransparent? Was an den Vorwürfen dran ist" (10.03.2026) zu den drei Hauptvorwürfen Stellung genommen. Die Kernthesen wörtlich aus der eigenen Veröffentlichung:

Zur Intransparenz: „Der ist allerdings haltlos. Denn wir setzen uns nicht nur seit Jahren für mehr Transparenz in der Politik ein, sondern berichten auch über unsere eigenen Strukturen und Finanzen seriös und transparent." Campact verweist auf die jährlichen Transparenzberichte und die Erfüllung aller zehn Transparenzpflichten der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.

Zur Auslandsfinanzierung: „Denn über 99 Prozent unserer Spenden und Förderungen kommen aus Deutschland, von hunderttausenden engagierten Menschen, die Politik verändern wollen." Den Vorwurf der Fremdsteuerung ordnet Campact als „Erzählung aus der rechten Ecke" ein.

Zu staatlicher Förderung: „Campact bekommt weder Geld von Parteien oder Konzernen, noch direkt oder indirekt finanzielle Unterstützung vom Staat." Diese Aussage wurde durch die Antwort der Bundesregierung auf BT-Drs. 20/13984 (26.11.2024) bestätigt: Der Verein Campact e. V. wird nicht durch die Bundesregierung gefördert. Indirekte Förderung über die HateAid-Beteiligung ist davon getrennt zu betrachten — Campact selbst sieht hier keine Quersubvention, da HateAid als gGmbH eigenständig agiere.

Zur Uckermark-Kampagne 2026: Ein Campact-Sprecher rechtfertigte die 38.000-€-Kampagne gegenüber Nordkurier mit der niedrigen Wahlbeteiligung früherer Uckermark-Wahlen, der Angemessenheit von Briefwahl-Aufrufen in ländlichen Kreisen und dem Brandenburger Verfassungsschutz-Gutachten zur AfD („gesichert rechtsextremistisch"). Campact wolle verhindern, „dass der erste Landkreis im Land an die AfD fällt".

Zur Parteispenden-Rechtmäßigkeit: Der CORRECTIV-Faktencheck vom 12.09.2024 hat die Campact-Spenden als rechtmäßig eingestuft, aber als „umstritten" markiert. Auch der Verfassungsrechtler Joschka Selinger (Gesellschaft für Freiheitsrechte) bestätigt: Campact ist nicht gemeinnützig und kann frei über die Mittel verfügen. Die Gegenstimme von Volker Boehme-Neßler bleibt ein Minderheits-Lehrgutachten ohne juristische Wirkung — die Bundestagsverwaltung hat bisher kein Verfahren wegen unzulässiger Parteispende öffentlich dokumentiert.

Eigendarstellung Bürgerbewegung: Campact bezeichnet sich auf der Seite „Über Campact — Der Verein" als „Bürgerbewegung", die seit 2004 für progressive Politik streitet — die Charakterisierung als „professionelle Kampagnenorganisation" (siehe Sektion Politische Kampagnen) ist eine externe Kritik, die Campact selbst nicht teilt.

Methodischer Hinweis: Diese Sektion gibt Campacts eigene Position wieder (Pflicht laut Steuerlupe-Quellenstandard), nicht die der Steuerlupe-Redaktion. Verifizierung der Aussagen siehe Sektionen Finanzierung, Parteiengesetz-Umgehung und Quellen.

Quellen

[1] Campact: Einnahmen und Ausgaben 2024 — 24,63 Mio. € Gesamteinnahmen
[2] Campact: Transparenzbericht 2022 (PDF) — OSF-Spende €268.838 dokumentiert
[8] EU-Parlament: Anfrage E-001842/2024 — Ausländische Einflussnahme über Campact
[9] HateAid: Transparenzbericht — 33,32% Campact-Beteiligung (laut HateAid Transparenzbericht)
[10] Bundestag hib: Förderung von Vereinen durch den Bund — HateAid €2,18 Mio. aus Demokratie leben!
[13] Nordkurier: Campact-Kampagne Uckermark (April 2026) — 38.000 € gegen AfD-Landratskandidat
[14] Campact: NoAfD-Fonds — 2,5 Mio. € Ziel, 36.000 Spender
[17] Ein Prozent: Das Campact-Kartell gegen die AfD (März 2026) — Strafanzeige wegen Parteiengesetz-Umgehung
[20] Lobbyregister (R000726): Campact-Eintrag — finanzielle Aufwendungen Interessenvertretung 2024: 7,37–7,38 Mio. €; 3 VZÄ + 25 Personen mit Lobby-Tätigkeit; Stand 16.03.2026
[21] Campact: „Campact vor Gericht" — eigene Erfolgsbilanz (LG München I 02.10.2024, OLG Hamburg 03.06.2025/12.03.2026, KG Berlin 08.09.2025, LG Hamburg 23.09.2025)
[22] Campact-Blog: „Ist Campact intransparent? Was an den Vorwürfen dran ist" (10.03.2026) — Eigenstellungnahme zu Vorwürfen
[23] Wikipedia: Felix Kolb — Biographie (X-tausendmal quer 1996, Attac 2000, Bewegungsstiftung 2002)
[24] Wikipedia: Christoph Bautz (Aktivist) — GF Campact seit 2004, MoveOn-Inspiration, WeMove-Aufsichtsrat
[25] Bewegungsstiftung — gegründet 2002 von Kolb, Bautz, Neubauer; ~7 Mio. € Stiftungsvermögen, 200+ Stifter (Großteil vertraulich)
[26] Initiative Transparente Zivilgesellschaft — 10 Transparenzpflichten, Campact-Selbsterklärung erfüllt
Recherche-Protokoll & Methodik
Iter 1: ABCD Iter 2: EFGH Iter 3: IJKLM Iter 5: RSTUVWXY Z: Z
18 Quellen geprüft 18 zitiert Modell: claude-opus-4-7[1m] Recherche-Dauer: 35 min
CLAUDE.md-Hash: 6704abc Erstellt: 2026-05-07
Verworfene Befunde und Suchqueries werden im Admin-Bereich vorgehalten — siehe Methoden-Übersicht für das vollständige Schema.
Iter Z — Adversarial Self-Check (drei typed Lücken, öffentlich)
  1. content: Bundesanzeiger-Bilanzdaten + GF-Vergütung sind nicht direkt aus Primärquelle verifiziert. Der Campact-Transparenzbericht 2024 (PDF, 7,5 MB) ließ sich technisch nicht parsen (XRef-Tabelle defekt), und die Bundesanzeiger-Direktabfrage erfordert ein Login.
  2. mechanic: Iter 4 N (Whistleblower/Aussteiger) ist Heuristik-Limit-Lücke. WebSearch identifiziert Glassdoor- und Kununu-Profile, aber keine Volltext-Crawl-Möglichkeit ohne Playwright.
  3. meta: Die Drs-Tiefe ist uneinheitlich: Drs 20/13727 sagt 50%, Wiki sagt 33,32%. Beide sind im Umlauf, der HateAid-Transparenzbericht ist autoritativer, aber die Diskrepanz zeigt: ein zweiter Reviewer könnte mit BT-Drs als Primärquelle 50% übernehmen und damit eine Halbwahrheit…
Most-Likely-Blind-Spot: Iter 3 (Internationale Vernetzung — WeMove als Brückenkopf) zeigt Schwester-Organisationen, aber nicht *Geld-Flüsse* zwischen ihnen. Beispiel: Sammelt WeMove Europe Spenden in Deutschland, die dann an polnische/ungarische Schwester-NGOs gehen, ohne dass dies im deutschen Lobbyregister auftaucht? Die…