Katapult-Magazin gGmbH
Überblick
Das Katapult-Magazin bezeichnet sich als „kartografisches und gesellschaftswissenschaftliches Fachmagazin" mit kostenlosem Online-Zugang. Gemeinnützigkeit besteht nach § 52 AO (Förderung von Wissenschaft und Forschung sowie Volks- und Berufsbildung). Sitz ist Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern.
Katapult ist im Lobbyregister des Deutschen Bundestages nicht eingetragen (direkte Suche, April 2026). Das Magazin erhielt zwischen 2022 und 2023 nachweislich ca. 366.000 Euro aus dem Bund-Länder-Programm GRW (Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur), davon ca. 190.000 Euro aus dem Landeshaushalt Mecklenburg-Vorpommern unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Dies ist parlamentarisch belegt.
Struktur & Geschäftsführung
Unternehmensgruppe
| Gesellschaft | HRB | Zweck | Geschäftsführer |
|---|---|---|---|
| Katapult-Magazin gGmbH | 20139 (AG Stralsund) | Magazin, gemeinnützig § 52 AO | Benjamin Fredrich (ab Jan. 2025) |
| Katapult-Verlag GmbH | 21399 (AG Stralsund) | Buchverlag (Belletristik eingestellt 2023) | Sebastian Wolter |
| KATAPULT Regional GmbH | 21611 (AG Stralsund) | Regionale Zeitungen (MV, Sachsen ab Aug. 2025) | Benjamin Fredrich (ab Feb. 2025) |
| Torpedo GmbH | 22301 (AG Stralsund) | Franchise-Buchladen, Lagerhaltung (gegr. März 2023) | Benjamin Fredrich |
Alle Gesellschaften haben ihren Sitz unter der gemeinsamen Adresse Wilhelm-Holtz-Str. 9, Greifswald. Quellen: Northdata HRB 20139, Northdata HRB 21611, Northdata HRB 22301, Northdata Personenprofil Fredrich
Gründer Benjamin Fredrich
Fredrich (*1987, Greifswald) studierte Politikwissenschaft und Geschichte ohne Abschluss. Frühere akademische Arbeit umfasste die NPD im Kommunalwahlkampf MV 2009. Er gründete Katapult 2015 aus einem EXIST-Gründerstipendium (Universität Greifswald, BMWi) heraus. Im Januar 2023 trat er als Geschäftsführer zurück — infolge des Ukraine-Skandals (s.u.) — und übernahm das Amt im Februar 2025 wieder.
Parteimitgliedschaft: Keine dokumentierte Parteimitgliedschaft von Fredrich, Wolter oder der (zwischenzeitlichen Geschäftsführerin) Nasrin Rani Morgan öffentlich nachweisbar.
Staatliche Förderung
GRW-Fördermittel 2022–2023 (parlamentarisch belegt)
Das Programm GRW (Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur") ist ein gemeinsames Bund-Länder-Programm zur Wirtschaftsförderung in strukturschwachen Regionen. Katapult erhielt daraus in zwei Jahren insgesamt ca. 366.000 Euro:
| Förderquelle | Betrag | Zweck |
|---|---|---|
| Bundesregierung (GRW-Anteil) | ca. 177.000 € | Ausbau Betriebsstätte Greifswald |
| Land MV (SPD-Regierung Schwesig) | ca. 190.000 € | Regionale Wirtschaftsförderung, davon >12.000 € für Buchmessen Frankfurt und Wien |
| Gesamt GRW | ca. 366.000 € | 2022 und 2023 |
Belegt durch: Kleine Anfrage der AfD-Fraktion Landtag MV, Drucksache 8/Dr3930 (Vorgang 41868) sowie parlamentarische Anfrage im Bundestag (DIP Bundestag).
EXIST-Gründerstipendium 2015–2016
Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), durchgeführt über die Universität Greifswald. Übliche Stipendienbeträge: ca. 2.000–3.000 Euro/Monat pro Person plus Sachkosten. Konkrete Summe für Katapult nicht veröffentlicht (EXIST-Erfolgsbeispiel).
Weitere Förderhinweise
Katapult ist bei „Vereint für Demokratie" (Allianz Foundation + ProjectTogether + Scholz & Friends) als gefördertes Projekt aufgeführt (vereintfuerdemokratie.de). Förderhöhe nicht öffentlich.
Der Freistaat Sachsen verneinte auf AfD-Anfrage (2024) ausdrücklich, Katapult oder verbundene Unternehmen seit 2019 gefördert zu haben (Leipziger Zeitung, Nov. 2024).
Finanzielle Lage
Im September 2023 kommunizierte Katapult öffentlich eine Insolvenzgefährdung (Finanzloch ca. 450.000 Euro). Leser kauften innerhalb weniger Wochen Bücher, Abos und Spenden im Wert von rund 540.000 Euro — die unmittelbare Krise war damit abgewendet. Vorjahr 2022: ca. 290.000 Euro Verlust. Gesamtumsatz 2024 (alle Gesellschaften): voraussichtlich 4,3 Mio. Euro (Börsenblatt).
Netzwerk & Verbindungen
Politische Positionierung (eigene Aussagen)
Katapult-Gründer Fredrich erklärte öffentlich, mit Zeitungsverteilaktionen in Ostdeutschland Wähler „zur AfD aufzuklären" und AfD-Wahlerfolge bei den Landtagswahlen 2024 in Sachsen, Thüringen und Brandenburg verhindern zu wollen (meedia.de).
Kooperationen und Netzwerk-Verbindungen
- „Sach-Thür-Brand"-Aktion 2024: Kooperation mit Playboy und „Omas gegen Rechts"; 427.000 Exemplare spendenfinanziert verteilt (taz)
- Campact-Netzwerk: Indirekte Verbindungen über gemeinsame Aktivitäten (nicht formell belegt)
- Amadeu Antonio Stiftung: Im Förder-Netzwerk „Vereint für Demokratie" gemeinsam vertreten
Formale Parteimitgliedschaften oder Mandatsträger in Leitungsgremien: nicht belegt. Die politische Positionierung ergibt sich aus den redaktionellen Haltungen und eigenen Aussagen des Gründers, nicht aus institutionellen Parteibindungen.
Kontroversen
Ukraine-Projekt 2022/2023
Katapult sammelte für das Projekt „Katapult Ukraine" Spenden mit dem Versprechen, ukrainische Journalisten fest anzustellen (1.650 €/Monat). Zwei ukrainische Mitarbeiterinnen warfen dem Magazin vor, sie für PR-Zwecke genutzt zu haben, versprochene Gehälter nicht vollständig ausgezahlt zu haben und initial widersprüchliche Summen angegeben zu haben (bei Übermedien-Anfrage: 310.000 €; im Transparenzbericht: 442.147 €). Fredrich trat im Januar 2023 als Chefredakteur und Geschäftsführer zurück, räumte Managementfehler ein und bestritt den PR-Missbrauchsvorwurf. Übermedien prüfte die Vorwürfe nach und kam zu einer differenzierten Einschätzung (kein klarer PR-Missbrauch belegt). Quellen: Übermedien — Vorwürfe (Jan. 2023), Übermedien — Gegendarstellung, Tagesspiegel.
SZ-Plagiat-Vorwurf (2020)
Katapult warf der Süddeutschen Zeitung vor, Grafiken systematisch übernommen zu haben. Die SZ stellte daraufhin die betroffene Rubrik „Unterm Strich" ein. Katapult erhob außerdem Plagiatsvorwürfe gegen den Verlag Hoffmann und Campe wegen des Buches „Gute Karten" (Katapult).
Roman „Die Redaktion" (2021)
Fredrichs autobiografischer Roman ließ ehemalige Mitarbeiter sich in negativen Darstellungen wiedererkennen. Vorwurf: Undankbarkeit und Bloßstellung von Kollegen (Übermedien, 2021).
Insolvenzgefährdung und Journalismusschule (2023)
Am 5. September 2023 erklärte Katapult öffentlich eine akute Insolvenzgefährdung (Fehlbetrag ca. 450.000 Euro). Zeitgleich musste die geplante Katapult-Journalismusschule kurzfristig abgesagt werden — kurz nachdem Interessenten ihre Jobs gekündigt und Wohnungen in Greifswald angemietet hatten. Fredrich räumte ein, zu viele Projekte gleichzeitig verfolgt zu haben. Die Krise wurde durch eine Leserkampagne (Abonnements, Shop-Käufe, Spenden) abgewendet: rund 522.000 Euro Einmaleinnahmen plus dauerhaft erhöhte Einnahmen. Quellen: Katapult (Sept. 2023), Übermedien — Journalismusschule (Sept. 2023).
Ostsee-Zeitung-Verfahren (2023)
Das Landgericht Hamburg verbot der Ostsee-Zeitung (OZ) im April 2023, in einem Artikel vom 31. Januar 2023 zu suggerieren, Spendengelder seien in den Bau einer geplanten Journalismusschule geflossen. KATAPULT hatte zuvor öffentlich Kritik an der OZ wegen falscher Schlagzeilen, nicht offengelegter Werbung und aggressiver Anwaltsbriefe geäußert. Quelle: Katapult — LG Hamburg-Urteil.
Position der Organisation
Katapult bezeichnet sich als „unabhängiges, gemeinnütziges Magazin für Kartografik und Gesellschaftswissenschaft", das durch Abonnements, Buchverkäufe und Spenden finanziert wird. Die Organisation betont, keine staatliche Redaktionsfinanzierung zu erhalten — GRW-Mittel seien reguläre Wirtschaftsförderung für strukturschwache Regionen, keine Mediensubvention.
Zur Ukraine-Kontroverse veröffentlichte Fredrich im Februar 2023 einen Transparenzbericht, der die Verwendung von 442.147 Euro Spendengeldern aufschlüsselt: 231.898 Euro an ukrainische Journalisten, 104.300 Euro für Hilfsgüter-Transporte, 54.500 Euro für den Umbau der Redaktion zur Unterkunft, 10.000 Euro Nothilfe an die Stadt Greifswald. Fredrich bestritt die schwersten Vorwürfe (Missbrauch für PR-Zwecke) und bezeichnete Fehler im Management als eigenes Versagen. Katapult erwirkte zudem gerichtlich, dass eine Falschmeldung über die Spendenverwendung (Ostsee-Zeitung, Jan. 2023) nicht wiederholt werden darf. Quelle: Übermedien — Gegendarstellung Ukraine-Skandal (2023).
Zur politischen Positionierung: Fredrich und die Redaktion betonen, journalistisch unabhängig zu sein. Die Anti-AfD-Aktionen (Sach-Thür-Brand 2024) wurden als eigene redaktionelle Entscheidung, nicht als Parteiauftrag, dargestellt. Die Aktion wurde spendenfinanziert; eine Landesförderung Sachsens wurde durch die sächsische Staatsregierung auf AfD-Anfrage ausdrücklich verneint (Leipziger Zeitung, Nov. 2024).
Quellen
- Northdata — Katapult-Magazin gGmbH (HRB 20139)
- Northdata — KATAPULT Regional GmbH (HRB 21611)
- Katapult Impressum
- EXIST — Erfolgsbeispiel Katapult (2015–2016)
- DIP Bundestag — Bundesmittel für Katapult
- Landtag MV — Drucksache 8/Dr3930 (Vorgang 41868)
- Vereint für Demokratie — Katapult als gefördertes Projekt
- Lobbyregister Bundestag — Suche „katapult" (kein Eintrag)
- Übermedien — Ukraine-Vorwürfe (Jan. 2023)
- Tagesspiegel — Fredrich-Rücktritt
- Börsenblatt — Umsatz Katapult 2024
- meedia.de — Fredrich: Wähler zur AfD aufklären
- Northdata — Torpedo GmbH (HRB 22301)
- Northdata — Personenprofil Benjamin Fredrich
- Katapult — Insolvenzgefährdung (Sept. 2023)
- Übermedien — Journalismusschule Bankrott (Sept. 2023)
- Übermedien — Ukraine-Gegendarstellung (2023)
- Katapult — LG Hamburg verbietet Falschmeldung (OZ, 2023)
- Leipziger Zeitung — Sachsen verneint Katapult-Förderung (Nov. 2024)
- taz — Sach-Thür-Brand-Aktion 2024