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BUND e.V.

BUND
Kurzprofil
Typeingetragener Verein (e.V.)
Gründung1975
GründerHubert Weinzierl, Herbert Gruhl u.a.
SitzBerlin
VorsitzenderOlaf Bandt (seit 2019, wiedergewählt 2025)
Stv. VorsitzendeSören Janssen, Susanne Gerstner (seit 2025)
GeschäftsführungEva Nolte (kfm.), Verena Graichen (Politik, ab 15.02.2025)
Jährl. Budget44,9 Mio. € Bundesverband (2024), ca. 90 Mio. € alle Ebenen
Öffentl. Mittel2,9 Mio. € Drittmittel (6% Bundesverband)
Lobbying-Aufwand570.001–580.000 €/Jahr, 5,56 VZÄ (Lobbyregister 2024)
Mitglieder673.988 (Förderer + Mitglieder, 2024)
HauptfördererMitglieder, BMUV/BfN, BMFSFJ
KategorieUmweltschutz / Naturschutz
LobbyregisterR002287

Überblick

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist der größte deutsche Umweltverband und wurde 1975 gegründet. Mit 16 Landesverbänden und über 2.300 Ortsgruppen verfügt der BUND über eine flächendeckende Struktur in ganz Deutschland. Der Bundesverband verfügt über ein Jahresbudget von 44,9 Millionen Euro (2024); über alle Ebenen hinweg (Landes-, Kreis- und Ortsverbände) liegt das Gesamtbudget bei ca. 90 Millionen Euro.

Der BUND ist deutsches Mitglied von Friends of the Earth International, dem weltweit größten Netzwerk von Umweltorganisationen. Er nutzt das Verbandsklagerecht intensiver als jeder andere deutsche Umweltverband: Mit 49 Klagen im Zeitraum 2021–2023 belegt der BUND Platz 1 unter allen klagenden Umweltverbänden in Deutschland.

Gründung & Leitung

Der BUND wurde am 20. Juli 1975 in Marktheidenfeld (Unterfranken) gegründet. Zu den Gründervätern gehören Hubert Weinzierl, langjähriger Vorsitzender des Bund Naturschutz Bayern, sowie Herbert Gruhl, damals CDU-Bundestagsabgeordneter und Autor des Bestsellers „Ein Planet wird geplündert". Gruhl war der erste Bundesvorsitzende des BUND (1975–1977), verließ später die CDU und gründete die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP).

Seit November 2019 ist Olaf Bandt Vorsitzender des BUND; bei der Bundesdelegiertenversammlung 2025 wurde er mit rund 82 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Als Stellvertretende Vorsitzende amtieren Sören Janssen und Susanne Gerstner. Die Geschäftsführung besteht aus Eva Nolte (kaufmännischer Bereich, seit 2008) und Verena Graichen (Politik, ab 15. Februar 2025 — zuvor 2019–2025 Stellvertretende Vorsitzende; zur familiären Verflechtung siehe Graichen-Verflechtung).

Finanzierung

Bundesverband 2024 — Einnahmenstruktur:

  • Beiträge & Spenden: 30,2 Mio. € (67% des Budgets)
  • Kostenerstattungen: 3,9 Mio. €
  • Erbschaften & Vermächtnisse: 3,4 Mio. €
  • Drittmittel (öffentlich): 2,9 Mio. € (6% des Budgets)
  • Sonstige Einnahmen: 1,3 Mio. €

Im Vergleich zu anderen staatlich alimentierten NGOs fällt die direkte öffentliche Förderung des BUND-Bundesverbands mit 6% relativ gering aus. Der Großteil der Einnahmen stammt aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden der 673.988 Mitglieder und Förderer (2024).

Laut Lobbyregister des Deutschen Bundestags (R002287) wendete der BUND-Bundesverband im Geschäftsjahr 2024 zwischen 570.001 und 580.000 Euro für Interessenvertretung auf und beschäftigte dafür 5,56 Vollzeitäquivalente. Finanzierungsquellen in absteigender Reihenfolge: Mitgliedsbeiträge, öffentliche Zuwendungen, Sonstiges.

Öffentliche Förderung laut Bundestagsdrucksachen:

  • BMFSFJ: 249.800 € — Anti-Rechtsextremismus-Projekt im Rahmen von „Demokratie leben!" (BT-Drs. 20/15101)
  • BMUV/BfN: 1.079.000 € — Naturschutzprojekte (BT-Drs. 20/15101)
  • Historisch 2014–2019: ca. 21 Mio. € Bundesförderung über alle Ressorts (FDP-Anfrage, 19. Wahlperiode)

Verbandsklagerecht & Klimaklage

Der BUND ist der mit Abstand klagefreudigste Umweltverband Deutschlands. Im Zeitraum 2021–2023 erhob der BUND 49 Verbandsklagen — mehr als jeder andere anerkannte Umweltverband. Die durchschnittliche Erfolgsquote von Verbandsklagen liegt bei ca. 50%.

Bedeutende Verfahren:

  • Hambacher Wald vs. RWE: Das OVG Münster stoppte 2018 die Rodung des Hambacher Forsts auf Eilantrag des BUND — einer der öffentlichkeitswirksamsten Umwelt-Rechtsstreite der deutschen Geschichte.
  • A49 / Dannenröder Forst: Der BUND klagte gegen den Weiterbau der Autobahn A49 durch den Dannenröder Forst in Hessen.
  • Kohlekraftwerk Datteln IV: Klage gegen die Inbetriebnahme des Steinkohlekraftwerks Datteln IV von Uniper.
  • Klimaklage / Verfassungsbeschwerde (2024): Gemeinsam mit dem Solarenergie-Förderverein Deutschland (SFV) hat der BUND im Herbst 2024 eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Gerügt wird eine unzureichende Klimapolitik der Bundesregierung und die Abschwächung des Klimaschutzgesetzes (KSG). Das Verfahren läuft; eine Entscheidung des BVerfG steht aus (Stand Mai 2026).

Das Verbandsklagerecht nach § 3 UmwRG ermöglicht es anerkannten Umweltverbänden, auch ohne eigene Betroffenheit gegen Verwaltungsentscheidungen zu klagen. Kritiker sehen darin ein Instrument zur systematischen Verzögerung von Infrastrukturprojekten; Befürworter betonen die rechtsstaatliche Kontrollfunktion.

Graichen-Verflechtung

Verena Graichen war von 2019 bis Februar 2025 Stellvertretende BUND-Bundesvorsitzende und ist seit dem 15. Februar 2025 Geschäftsführerin Politik des BUND. Sie steht im Zentrum einer bemerkenswerten personellen Verflechtung zwischen Umweltlobby und Bundesregierung:

  • Schwester von Patrick Graichen, ehemaliger Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) unter Robert Habeck. Patrick Graichen wurde im Mai 2023 wegen der sogenannten Trauzeugen-Affäre entlassen — er hatte seinen Trauzeugen Michael Schäfer ohne transparentes Verfahren zum Chef der Deutschen Energie-Agentur (dena) berufen. Zudem hatte Graichen Förderskizzen der BUND-Landesorganisation Berlin gebilligt, in deren Vorstand seine Schwester Verena saß.
  • Ehefrau von Michael Kellner, ehemaliger Parlamentarischer Staatssekretär im BMWK und Bundesgeschäftsführer der Grünen.

Diese Konstellation — BUND-Geschäftsführerin Politik als Schwester eines (wegen Vetternwirtschaft entlassenen) Habeck-Staatssekretärs und Ehefrau des damaligen Habeck-Parlamentsstaatssekretärs — wirft Fragen zur strukturellen Unabhängigkeit des Verbands von der Grünen-geführten Regierungspolitik auf. Der BUND erklärte dazu: „Die kritische Haltung des BUND wird durch persönliche Beziehungen einzelner Vorstandsmitglieder nicht beeinflusst."

Demokratie-leben!-Projekt

Der BUND erhält Fördermittel aus dem BMFSFJ-Programm „Demokratie leben!" für das Projekt:

„Blended Learning: Rechtsextreme Unterwanderung im Naturschutz stoppen"

  • Fördervolumen: 500.000 € (Laufzeit 2025–2026)
  • Format: Online-Kurse, Präsenz-Seminare, Praxis-Leitfaden
  • Kooperationspartner: Erich-Zeigner-Haus e.V. (Leipzig)
  • Zielgruppe: BUND-Ehrenamtliche, Naturschutz-Aktive

Das Projekt vermittelt, wie „rechtsextreme und völkische Akteure" Naturschutzthemen instrumentalisierten. Kritiker merken an, dass ein Umweltverband mit 674.000 Mitgliedern und 90 Mio. € Gesamtbudget derartige Schulungsprogramme aus Eigenmitteln finanzieren könnte, statt auf Steuermittel zurückzugreifen.

Gegenposition des BUND

Der BUND weist Kritik an seiner politischen Nähe zurück: Die Organisation betont, dass ihre Unabhängigkeit durch überwiegend private Mitgliedsbeiträge und Spenden gesichert sei (ca. 67% der Einnahmen). Zur Graichen-Verflechtung erklärte der BUND, persönliche Beziehungen einzelner Vorstandsmitglieder beeinflussten die inhaltliche Arbeit nicht.

Zu Kritik am Verbandsklagerecht hält der BUND entgegen, dieses sei ein rechtsstaatliches Instrument zum Schutz von Natur und Umwelt und kein Blockade-Instrument. Die hohe Klagefrequenz belege die strukturelle Schwäche des Vollzugs von Umweltrecht in Deutschland.

Auf Kritik an der öffentlichen Förderung seines Demokratieprojekts antwortete der BUND, die Schulungsprogramme gegen rechtsextreme Unterwanderung stärkten die ehrenamtliche Struktur und seien kein Ersatz für Kernaufgaben, sondern eine Ergänzung.

Parlamentarische Initiativen

Kleine Anfrage CDU/CSU — 551 Fragen zu NGO-Förderung durch das BMFSFJ, inkl. BUND-Förderung (BT-Drs. 20/15101, Feb 2025)
Kleine Anfrage FDP — Bundesförderung für Umweltverbände 2014–2019, inkl. ca. 21 Mio. € an BUND (19. Wahlperiode)

Quellen

[1] BUND: Jahresbericht 2024 — Einnahmen Bundesverband: 44,9 Mio. €; Finanzdaten auch unter bund.net/transparenz/finanzen
[2] Bundestag: BT-Drs. 20/15101 — Antwort auf 551 Fragen CDU/CSU zu NGO-Förderung (Feb 2025)
[3] Lobbyregister des Deutschen Bundestags: BUND e.V. — R002287
[4] OVG Münster: Eilbeschluss Hambacher Wald, Oktober 2018 — Originalmeldung nicht mehr abrufbar (Stand Mai 2026); vgl. Medienberichte zum Az. 8 B 1482/18.NE
[5] Friends of the Earth International: Member Groups — BUND (Germany)
[6] Tagesspiegel: Habeck entlässt Staatssekretär Patrick Graichen (Mai 2023) — Originalseite zwischenzeitlich offline (Stand 28.04.2026)
[8] Demokratie leben!: Projektdatenbank — BUND Blended-Learning-Projekt — Originalseite zwischenzeitlich offline (Stand 28.04.2026)
[9] Erich-Zeigner-Haus e.V.: Kooperationspartner BUND-Demokratie-Projekt
Recherche-Protokoll & Methodik
Iter 1: ABCD Iter 2: EFGH Iter 3: IJKLM Iter 5: RSTUVWXY Z: Z
10 Quellen geprüft 10 zitiert Modell: claude-sonnet-4-6 Recherche-Dauer: 35 min
CLAUDE.md-Hash: Erstellt: 2026-05-09
Verworfene Befunde und Suchqueries werden im Admin-Bereich vorgehalten — siehe Methoden-Übersicht für das vollständige Schema.
Iter Z — Adversarial-Self-Check
Strukturierte Lücken-Aufschlüsselung wartet auf Schema-Migration #88.63.x.