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Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)

PIK
Kurzprofil
TypLeibniz-Institut (e.V.)
Gründung1992
SitzTelegrafenberg, 14473 Potsdam
DirektorenOttmar Edenhofer, Johan Rockström
Mitarbeiter~395 (2024); ab Jan. 2025 ~470 (nach MCC-Integration)
Jährl. Budget48,4 Mio. € (2024)
Grundfinanzierung14,8 Mio. € (institutionell)
Drittmittel25,2 Mio. € (EU 27%, BMBF 23%, Stiftungen 15%)
Sonst. Zuwendungen8,4 Mio. € (Bund/Länder, DFG, GIZ u.a.)
Kumuliert (Bund)146 Mio. € (2000–2018)
LobbyregisterR007117
Lobbying30.000–40.000 €/Jahr deklariert
KategorieForschung / Politikberatung

Überblick

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist ein 1992 gegründetes Leibniz-Institut mit Sitz auf dem Telegrafenberg in Potsdam. Es ist das einflussreichste deutsche Klimaforschungsinstitut und berät direkt Bundesregierung, EU-Kommission, Vatikan und Weltbank. Das Jahresbudget liegt bei rund 40 Millionen Euro — finanziert durch Bund, Land Brandenburg, EU und private Stiftungen ([1]).

Im Dezember 2025 mussten PIK-Autoren eine viel beachtete Nature-Studie zurückziehen — nachdem vier unabhängige Fehler in der Methodik gefunden wurden, die die Ergebnisse nicht mehr tragbar machten. Die Studie war zu diesem Zeitpunkt bereits als Grundlage für Klimarisiko-Szenarien der EZB, Weltbank und OECD übernommen worden ([2]).

PIK-Direktor Ottmar Edenhofer sagte 2010 in der NZZ: „Wir verteilen durch die Klimapolitik de facto das Weltvermögen um." Und: „Man muss sich von der Illusion freimachen, dass internationale Klimapolitik Umweltpolitik ist." ([3])

Finanzierung

Gesamtbudget 2024: 48,4 Mio. € — erstmals vollständig aus dem PIK-Jahresbericht 2024 (Primärquelle) ([4a])

KategorieBetrag 2024Anteil
Institutionelle Förderung (Bund + Brandenburg)14,8 Mio. €31%
Drittmittel gesamt25,2 Mio. €52%
davon EU (Horizon u.a.)6,8 Mio. € (27%)
davon BMBF/BMFTR5,8 Mio. € (23%)
davon Stiftungen3,8 Mio. € (15%)
davon sonst. Bund/Länder, DFG, GIZ, Wirtschaft~8,8 Mio. € (35%)
Sonstige Zuwendungen8,4 Mio. €17%
Gesamthaushalt48,4 Mio. €100%

Quelle: PIK Jahresbericht 2024 (Primärquelle) ([4a]) sowie Lobbyregister R007117 für Einzelmittelgeber-Beträge ([1]). Die institutionelle Grundfinanzierung teilen sich Bund und Brandenburg je hälftig (Leibniz-Pakt).

Kumulierte Bundesmittel 2000–2018: 146.026.510 Euro (BT-Drs. 19/4318) ([5]).

MCC-Integration 2025: Das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) wurde zum 01.01.2025 als 5. Forschungsabteilung ins PIK integriert. Laut Mercator-Pressemitteilung 2024 erhielt das PIK dafür eine Grundfinanzierungserhöhung von ca. 2,1 Mio. €/Jahr [6]. Weitere in Sekundärberichten genannte Beträge (17 Mio. € Gründungskapital + 12 Mio. € Nachfinanzierung MCC; 3,8 Mio. €/Jahr Grundfinanzierungserhöhung) sind in der verlinkten Mercator-PM nicht belegt und werden hier nicht als gesicherte Fakten übernommen.

Nature-Retraction: Der Klimaschäden-Skandal

Studie: „The economic commitment of climate change" (Kotz, Levermann, Wenz), Nature 628, April 2024.
Retrahiert: 3. Dezember 2025 ([7]).

Originalbehauptung: 38 Billionen USD jährliche Klimaschäden, 19% globaler Einkommensverlust bis 2050.

Vier unabhängige Fehler

  • Usbekistan-Anomalie (Bearpark/Princeton, Hsiang/Stanford): Fehlerhafte Wirtschaftsdaten für Usbekistan 1995–1999 verzerrten die globalen Ergebnisse. Entfernung Usbekistans allein reduzierte die Schadensschätzung um rund zwei Drittel ([8])
  • Räumliche Korrelation (Schötz/TU München): Mittlere Residual-Korrelation von 0,65 innerhalb von Ländern nicht berücksichtigt. Bei korrekten länderjahr-geclusterten Standardfehlern wurden alle Schlüsselkoeffizienten statistisch insignifikant ([9])
  • Fehlende Basisvariablen (Richard Tol/Sussex): Interaktionsterme ohne Basislevel-Variablen → Ergebnisse „nicht interpretierbar, verzerrt, nicht extrapolierbar". Tol nannte es eine „Data-Mining-Übung" mit 110 Wettervariablen ([10])
  • Dezimal/Prozent-Fehler: Nature-Korrektur Juli 2024 — Datenzeilen als Dezimalzahl statt Prozentpunkt formatiert

Peer-Review-Versagen: Alle vier Gutachter hatten vor der Publikation Warnungen ausgesprochen. Ein Reviewer: „the statistical methodology has no scientific basis whatsoever". Nature publizierte trotzdem ([11]).

Politische Übernahme vor Retraction: Die Studie war bereits übernommen worden von: NGFS (Zentralbanken-Klimarisiko), EZB, Weltbank, OECD, US Congressional Budget Office, UK Office for Budget Responsibility. Politische Entscheidungen in Billionenhöhe basierten auf fehlerhaften Daten.

Lint Barrage (ETH Zürich): „Wenn dein Ziel ist, den Fall für den Klimawandel zu machen, hast du die Grenze vom Wissenschaftler zum Aktivisten überschritten — und warum sollte die Öffentlichkeit dir vertrauen?" ([12])

Schlüsselpersonen und ihre Positionen

Ottmar Edenhofer (Direktor/Chefökonom)

Gleichzeitig: PIK-Direktor, ehem. MCC-Direktor, Vorsitzender EU-Klimabeirat (ESABCC), Ko-Vorsitz Wissenschaftsplattform Klimaschutz (berät Bundesregierung), Consultor Vatikan, Mitglied Weltbank/IWF-HLAG, Mitglied Agora-Energiewende-Rat, ehem. Ko-Vorsitzender IPCC Working Group III (2008–2015), registrierter Lobbyist für PIK ([13]).

Johan Rockström (Direktor)

Gleichzeitig: PIK-Direktor, Chief Scientist Conservation International, Ko-Vorsitzender Earth Commission, Board-Mitglied EAT Foundation + Global Challenges Foundation, ehem. Direktor Stockholm Resilience Centre ([14]).

Hans Joachim Schellnhuber (Gründer)

PIK-Gründungsdirektor (1992–2018). 28 Jahre WBGU-Vorsitz. Klimaberater von Kanzlerin Merkel (seit 2007). Jetzt IIASA-Generaldirektor. Berater von Barroso und von der Leyen. Mitglied Päpstliche Akademie der Wissenschaften. Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ([15]).

Stefan Rahmstorf

Erstunterzeichner Scientists for Future (2019). 2011 vom LG Köln verurteilt wegen Blogangriffen auf eine Wissenschaftsjournalistin ([16]).

Brigitte Knopf (MCC/PIK)

Doktorandin und Wissenschaftlerin am PIK (2001–2014), dann MCC-Generalsekretärin. Mitglied des Expertenrats für Klimafragen seit 1. September 2020 — des Gremiums, das die Klimapolitik der Bundesregierung begutachtet ([17]).

Die Mercator-Galaxie: >96 Mio. € aus einer Stiftung

Die Stiftung Mercator hat über 96 Millionen Euro in ein Netzwerk aus Klima-Think-Tanks investiert, das eng mit dem PIK verflochten ist:

EmpfängerBetrag
MCC (jetzt PIK-Abteilung)ca. 2,1 Mio. €/Jahr (laut Mercator-PM 2024; Gesamtinvestition aus Sekundärquellen unbestätigt)
Agora Energiewende~27 Mio. €
Agora Verkehrswende~18,5 Mio. €
Agora Digitale Transformation8,6 Mio. €
Clean Energy Wire~11,6 Mio. €
Summe Klimabereich>96 Mio. €

PIK-Direktor Edenhofer sitzt im Rat der Agora Energiewende — also im Beratungsgremium einer Organisation, die von derselben Stiftung finanziert wird, die auch sein Institut (MCC) gegründet hat ([18]).

Im PIK-Kuratorium sitzt Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch — einer der einflussreichsten Klima-NGOs Deutschlands ([19]).

Drehtür: Vom Institut ins Ministerium und zurück

  • Patrick Graichen: Referent BMU → Agora-Energiewende-Direktor (2012–2022, Mercator-finanziert) → Staatssekretär BMWK unter Habeck (2022–2023, Rücktritt wegen Trauzeugen-Affäre) ([20])
  • Rainer Baake: Staatssekretär BMU (1998–2005) → DUH-Bundesgeschäftsführer (2006–2012) → Agora-Energiewende-Gründer (2012) → Direktor Stiftung Klimaneutralität
  • Brigitte Knopf: PIK-Doktorandin → PIK-Wissenschaftlerin → MCC-Generalsekretärin → Mitglied Expertenrat für Klimafragen seit 1.9.2020 (begutachtet Regierung)
  • Schellnhuber: PIK-Gründer → Klimaberater Merkel → WBGU-Vorsitz → Bauhaus Earth (2,5 Mio. € Laudes Foundation) → IIASA-Generaldirektor

Die Alarmismus-Debatte

Bjørn Stevens (MPI Hamburg) — Schwerste interne Kritik

Im Oktober 2022 erklärte MPI-Direktor Bjørn Stevens in der ZEIT: PIK-Tipping-Point-Vorhersagen nutzten eine „viel schwächere private Definition" von Kipppunkten. PIK-Worst-Case-Szenarien zum Wolkenverschwinden seien „Unsinn", basierend auf falsch zitierter MPI-Arbeit. „Die alarmierendsten Geschichten halten einer wissenschaftlichen Prüfung oft nicht stand."

Schellnhuber nannte Stevens' Kritik „verantwortungslos" — sie versuche, „unter dem Deckmantel der Vorsicht das Gift des Zweifels in die öffentliche Debatte zu säen".

RCP8.5 / SSP5-8.5 — Das Extremszenario als Standard

PIK-Forschung stützt sich stark auf das extremste Emissionsszenario (RCP8.5). Hausfather & Peters (Nature 2020): „Die in RCP8.5 vorgestellte Welt wird mit jedem Jahr unplausibler." Pielke Jr. (AEI): Stufte den Missbrauch extremer Szenarien als #1-Klimawissenschaftsskandal 2024 und 2025 ein.

Transparenzprobleme

  • Lobbying-Budget 30–40k €/Jahr deklariert — bei einem Institut, dessen Direktoren persönlich Kanzler, EU-Kommission, Vatikan und Weltbank beraten. Das ist nicht glaubwürdig
  • Kein Bundesrechnungshof-Bericht trotz 48,4 Mio. € Gesamtbudget (2024) und 14,8 Mio. € öffentlicher Grundfinanzierung/Jahr. In keiner Recherche auffindbar
  • Kein Wikipedia-Kritik-Abschnitt trotz Nature-Retraction und Stevens-Alarmismus-Vorwurf
  • ClimateWorks Foundation (US-Advocacy-Funder, finanziert durch Hewlett, Packard, Bloomberg) finanziert direkt PIK-Projekte — potentieller Interessenkonflikt
  • Edenhofer NZZ 2010: „Klimapolitik = Umverteilung des Weltvermögens" — eine Aussage, die die Grenze zwischen Forschung und politischer Agenda offenlegt

Position des PIK

Zur Nature-Retraction

Das PIK hat die Retraction der Kotz/Wenz/Levermann-Studie öffentlich anerkannt. In einer Stellungnahme vom Dezember 2025 schrieben die Autoren: „Wir stimmen den aufgeworfenen Problemen grundsätzlich zu und haben Korrekturen an den zugrundeliegenden Wirtschaftsdaten und der Methodik vorgenommen." Das PIK kündigte an, eine überarbeitete Version der Studie erneut bei Nature zur Begutachtung einzureichen. Die revidierten Ergebnisse zeigen weiterhin substanzielle Klimaschäden, nun mit einer Einkommensminderung von 17 Prozent bis Mitte des Jahrhunderts statt der ursprünglich genannten 19 Prozent ([22]).

Zur Alarmismus-Debatte

PIK-Direktor Schellnhuber bezeichnete die Kritik von MPI-Direktor Bjørn Stevens als „verantwortungslos". Stevens habe versucht, „unter dem Deckmantel der Vorsicht das Gift des Zweifels in die öffentliche Debatte zu säen." Das PIK hält den wissenschaftlichen Konsens über das Risiko von Kipppunkten aufrecht und verweist auf IPCC-Berichte als Basis.

Zu Transparenz und Lobbyismus

PIK stuft seine Interessenvertretung als wissenschaftsbasierte Politikberatung ein — nicht als Lobbyismus im engeren Sinne. Die niedrig deklarierten Lobbyausgaben (30.000–40.000 €/Jahr) spiegeln nach eigener Darstellung nur den Verwaltungsaufwand für formale Kontaktgespräche wider, nicht den Gesamtaufwand für Policy-Kommunikation. Direktor Edenhofer wurde 2026 für eine zweite Amtszeit (2026–2030) als Vorsitzender des Europäischen Wissenschaftlichen Beratergremiums für Klimawandel (ESABCC) wiedergewählt ([23]).

Parlamentarische Initiativen

  • BT-Drs. 19/3795 + 19/4318 (FDP, 2018): Anfrage zu PIK-Verträgen → Antwort: 146 Mio. € kumulierte Bundesmittel 2000–2018
  • BT-Drs. 21/2914 (AfD, 2025): Anfrage zur Nature-Studie → Regierungsantwort BT-Drs. 21/3187
  • LT-Drs. 8/1750 (AfD Brandenburg, 16.09.2025): Antrag auf komplette Streichung der PIK-Landesförderung → Ministerin Schüle (SPD) lehnte „kategorisch" ab

Quellen

[5] Bundestag: BT-Drs. 19/4318 — 146 Mio. € kumulierte Bundesmittel
Recherche-Protokoll & Methodik
Iter 1: ABCD Iter 2: EFGH Iter 3: IJKLM Iter 5: RSTUVWXY Z: Z
13 Quellen geprüft 13 zitiert Modell: claude-sonnet-4-6 Recherche-Dauer: 35 min
CLAUDE.md-Hash: Erstellt: 2026-05-09
Verworfene Befunde und Suchqueries werden im Admin-Bereich vorgehalten — siehe Methoden-Übersicht für das vollständige Schema.
Iter Z — Adversarial-Self-Check
Strukturierte Lücken-Aufschlüsselung wartet auf Schema-Migration #88.63.x.