Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO)
Überblick
Das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO) ist der Wohlfahrtsverband der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Mit ca. 380 Trägern, über 1.900 Einrichtungen und 53.000 Beschäftigten ist das DWBO einer der größten Sozialdienstleister in der Region und deckt ein Gebiet ab, das ganz Berlin, weite Teile Brandenburgs und einen Teil der sächsischen Oberlausitz umfasst.
Im Bereich Migration und Flucht erbringt das DWBO über seine Mitgliedseinrichtungen ein breites Spektrum an Leistungen: Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE), Asylverfahrensberatung, Migrationssozialarbeit und EU-geförderte Projekte wie VASiB (Verbesserung der Aufnahmebedingungen für Schutzsuchende in Brandenburg).
Der Verband selbst (die Geschäftsstelle in Berlin-Steglitz) beschäftigt rund 106 Personen / 94 Vollzeitäquivalente und bilanzierte 2023 mit einer Summe von 44,2 Millionen Euro, einem Eigenkapital von 32,5 Millionen Euro und einem Jahresüberschuss von 180.000 Euro. An die ca. 380 Mitgliedsträger leitete der DWBO 2023 rund 8,549 Millionen Euro weiter (siehe Finanzierung).
Gründung & Leitung
Das DWBO ist als eingetragener Verein nach §§ 21 ff. BGB organisiert und ein Werk der EKBO. Aufsichts- und Wahlorgan ist der Diakonische Rat, der die Direktorin und den Vorstand beruft.
Direktorin: Dr. Ursula Schoen
Direktorin des DWBO ist seit dem 1. September 2021 Dr. theol. Ursula Schoen, Pfarrerin der EKBO. Schoen wurde 1998 an der Universität Heidelberg mit einer Arbeit zum Subsidiaritätsprinzip in der katholischen Soziallehre promoviert. Vor ihrer Berufung zur DWBO-Direktorin war sie Prodekanin in Frankfurt-Offenbach (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, EKHN) und davor Flüchtlingsreferentin der Diakonie Hessen. Die Berufung erfolgte am 19. März 2021 durch den Diakonischen Rat in Abstimmung mit der EKBO-Kirchenleitung.
Vorständin (bis 31.12.2025): Andrea Asch
Bis Ende 2025 war Andrea Asch (Diplom-Sozialarbeiterin) Vorständin des DWBO. Asch trat das Amt 2020 an. Vor ihrer Berufung war sie 2018-2020 Bereichsleiterin der ISS-Mehrsprachige Kita gGmbH in Köln; davor saß sie von 2005 bis 2017 für Bündnis 90/Die Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag, zuletzt als sozial- und jugendpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Asch ging zum Januar 2026 in den Ruhestand. Die Verbindung zwischen Landespolitik und anschließender Wohlfahrtsverbandsleitung ist ein in der freien Wohlfahrtspflege bekanntes Karrieremuster (siehe auch Verflechtungen).
Vorständin ab 1.1.2026: Dr. Anne-Katrin Escher-Lorenz
Zum 1. Januar 2026 übernahm Dr. iur. Anne-Katrin Escher-Lorenz die Vorstandsposition. Escher-Lorenz ist promovierte Juristin und kam zuletzt als Gesamtleiterin des CJD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands) Berlin-Brandenburg in den DWBO-Vorstand. Frühere Stationen laut CJD-Organigramm 2019: 1996-1999 Internationaler Seegerichtshof (ITLOS, Hamburg), 2001-2012 Privatwirtschaft, danach Wechsel in den Sozialsektor.
Diakonischer Rat (Aufsichtsorgan)
Der Diakonische Rat ist personell überwiegend mit Vorständen großer Mitgliedseinrichtungen besetzt. Vorsitzende ist Ulrike Menzel (Vorstandsvorsitzende der Samariteranstalten Fürstenwalde), 1. stellvertretende Vorsitzende Dr. Melanie Beiner (Vorstand Hoffnungstaler Stiftung Lobetal). Schatzmeister ist Dr. Jörg Antoine (Vorstand Lafim-Diakonie). Mitglieder sind unter anderem Dr. Ellen Ueberschär (Vorstand Stephanus-Stiftung) und Tina Mäueler-Görke (Berufsbildungswerk Oberlinhaus). Hinzu kommt Pröpstin Dr. Christina-Maria Bammel aus dem Konsistorium der EKBO als Vertreterin der Trägerkirche. Diese Personalunion zwischen Mitgliedseinrichtungs-Vorständen und dem Aufsichtsorgan des Dachverbands ist in den BAGFW-Spitzenverbänden Standard und nicht DWBO-spezifisch — sie ist aber für die Bewertung der Selbstkontroll-Tiefe relevant.
Organisationsstruktur
Das DWBO funktioniert als Dachverband für ca. 380 eigenständige diakonische Träger — Kirchengemeinden, gemeinnützige Gesellschaften, Stiftungen und Vereine, die unter dem Dach der Diakonie soziale Dienstleistungen erbringen:
- ca. 380 Träger — eigenständige juristische Personen, die Mitglieder des DWBO sind
- 1.900+ Einrichtungen — Kitas, Pflegeheime, Krankenhäuser, Beratungsstellen, Werkstätten, Wohnheime
- 53.000 Beschäftigte — damit größer als viele DAX-Konzerne
- Kirchliche Anbindung — Werk der EKBO, theologisch-organisatorische Verflechtung mit der Evangelischen Kirche
Als Dachverband übernimmt das DWBO die politische Interessenvertretung, koordiniert Fördermittel, setzt Qualitätsstandards und organisiert die fachliche Vernetzung. Die operative Arbeit — also die Beratung, Betreuung und Unterbringung — leisten die einzelnen Mitgliedsträger.
Stiftung-Multi-gGmbH-Pattern
Die größeren Mitgliedsträger sind nach einem wiederkehrenden Muster organisiert: Eine Stiftung oder ein eingetragener Verein hält mehrere operative gGmbH-Töchter, die ihrerseits Sub-Töchter halten können. Beispiele:
- Hoffnungstaler Stiftung Lobetal mit Töchtern leben lernen gGmbH (HRB 63304 B, Berlin) und Hoffnungstaler Werkstätten gGmbH (HRB 5336, Brandenburg).
- Stephanus-Stiftung mit drei gGmbH-Töchtern: Stephanus gGmbH (HRB 103965 B, Berlin), Stephanus Zentrale Dienste, Stephanus Bildung.
- Lafim-Diakonie als gGmbH (HRB 32966, Brandenburg) mit operativen Untergesellschaften — darunter die WI-LAFIM als Captive-Servicer für Catering und Reinigung, die ausschließlich konzernintern liefert.
- Berliner Stadtmission mit fünf Töchtern, darunter eine Service gGmbH (HRB 129485 B, Berlin).
Anders als das in der Steuerlupe-Recherche oft beobachtete gGmbH→UG-Verlustverschiebungs-Modell handelt es sich hier um klassische diakonische Stiftung-Holding-Strukturen mit gGmbH-Töchtern. Ein systematisches UG-Verlustkanal-Pattern ließ sich für die geprüften DWBO-Mitgliedseinrichtungen nicht belegen.
Migrationsarbeit
Das DWBO und seine Mitgliedseinrichtungen sind auf mehreren Ebenen in der Migrationsarbeit aktiv:
VASiB-Projekt (AMIF)
Das Projekt „Verbesserung der Aufnahmebedingungen für Schutzsuchende in Brandenburg" (VASiB) wurde aus Mitteln des EU-Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) finanziert. Operative Träger waren die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal (DWBO-Mitgliedseinrichtung), die BTU Cottbus (wissenschaftliche Begleitung) und der Verein KommMit e.V.; das DWBO war als Wohlfahrts-Dachverband beteiligt, nicht selbst Projektträger. VASiB stellte unabhängige Verfahrensberatung in Brandenburger Erstaufnahmeeinrichtungen bereit — parallel zur DRK-eigenen Beratung.
Hinweis zur Quellenlage: In früheren Versionen dieses Wiki-Artikels war eine direkte Mitfinanzierung oder Trägerschaft durch das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR behauptet. Eine erneute Recherche in den VASiB-Quelldokumenten (BTU Cottbus, Lobetal, KommMit) konnte für diese Zuordnung keinen Primärbeleg liefern. Die UNHCR-Erwähnung wurde daher entfernt; AMIF (EU) bleibt als belegter Geldgeber stehen. Falls künftig ein UNHCR-Beleg auftaucht (Förder-Datenbank, Pressemitteilung, Kooperationsvertrag), wird die Stelle entsprechend ergänzt.
Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE)
Die Diakonie ist eine der sechs bundesweit vom BAMF anerkannten MBE-Trägerorganisationen (BAGFW-Spitzenverbände + Bund der Vertriebenen). Das Bundesvolumen 2024 lag bei rund 77,5 Mio. Euro pro Jahr, das auf die sechs Trägerorganisationen verteilt wird. Über diakonische Mitgliedseinrichtungen werden MBE-Beratungsstellen in Berlin und Brandenburg betrieben — finanziert vom BMI über das BAMF.
Migrationssozialarbeit Berlin
In Berlin finanziert der Senat die Migrationssozialarbeit. Die Diakonie ist einer der Hauptträger dieser Beratungsleistungen, die Migranten bei Behördengängen, Wohnungssuche, Sprachkursen und sozialer Orientierung unterstützen.
Kürzungen Migrationssozialarbeit (Berlin)
Die geplante Kürzung der Berliner Migrationssozialarbeit zählt zu den DWBO-eigenen Kommunikations-Schwerpunkten der letzten Jahre. Wichtig zur Quellenlage: Die in der öffentlichen Debatte zirkulierenden Zahlen (Reduktion von 14,5 auf 9 Mio. Euro, Wegfall von 75 Vollzeitstellen) gehen auf eine DWBO-Pressemitteilung vom September 2021 zurück. Ein unabhängiger Senats-Beleg, der die konkrete 75-VZÄ-Schätzung bestätigt, konnte im Audit nicht ermittelt werden; die Zahl beruht damit auf der Verbands-Eigenkalkulation.
- Bisheriges Budget (Verbands-Angabe): 14,5 Mio. € jährlich (Senat Berlin)
- Geplantes Budget (Verbands-Angabe): 9 Mio. € (= Kürzung um 5,5 Mio. €, entspricht 38%)
- Folge laut DWBO-Eigenkalkulation: Wegfall von 75 Vollzeitstellen in der Migrationsberatung
- Betroffene Trägerstruktur: Diakonie, AWO, Caritas, Paritätischer und weitere
Stand 2025/2026: Die tatsächliche Budgetentwicklung ab dem Doppelhaushalt 2026/27 lässt sich anhand der bislang verfügbaren Senatsdokumente nicht abschließend nachvollziehen. Berliner Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) hat sich gemeinsam mit DWBO-Direktorin Schoen am 17. März 2026 öffentlich gegen die Bundes-Streichung der Asylverfahrensberatung ab 2027 positioniert (siehe Parlamentarische Initiativen).
Gegenperspektive: Der Berliner Senat begründet Kürzungen im Sozialhaushalt mit der angespannten Haushaltslage. Kritiker der Migrationsberatung argumentieren zudem, dass eine Kürzung um 38% auf 9 Millionen Euro immer noch ein erhebliches Budget darstellt — zum Vergleich: Vor 2015 lag das Budget für Migrationssozialarbeit in Berlin bei einem Bruchteil des heutigen Niveaus.
Demokratieprojekte — „Demokratie gewinnt!"
Über das Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe" fördert das Bundesinnenministerium (BMI) Projekte zur Stärkung demokratischer Strukturen in ländlichen Räumen Ostdeutschlands. Das DWBO-Projekt „Demokratie gewinnt!" ist Teil dieses Programms.
„Demokratie gewinnt!" zielt darauf ab, demokratische Strukturen innerhalb diakonischer Einrichtungen zu stärken — Beteiligungsformate, Konfliktbearbeitung und „diversitätsorientierte Organisationsentwicklung". Das Projekt richtet sich primär an die eigenen Mitarbeiter und Führungskräfte der ca. 380 diakonischen Träger.
Kritiker monieren, dass hier öffentliche Mittel dazu verwendet werden, die politische Haltung von Mitarbeitern eines kirchlichen Wohlfahrtsverbands zu beeinflussen — im Grunde eine staatlich finanzierte Schulung unter dem Etikett „Demokratieförderung".
Gegenposition Diakonie: Das Projekt fördere innerorganisatorische Mitbestimmung und Konfliktfähigkeit und sei keine politische Schulung. „Zusammenhalt durch Teilhabe" sei ein vom BMI aufgelegtes Programm, das explizit Vereine, Verbände und Organisationen adressiere — die Diakonie setze lediglich den Programmauftrag um.
Finanzierung
Das DWBO als Dachverband und seine ca. 380 Mitgliedsträger finanzieren sich aus einer Mischung öffentlicher und kirchlicher Mittel:
- Öffentliche Leistungsentgelte: Pflegesätze, Kita-Zuschüsse, Krankenhausvergütungen — der größte Einnahmeposten
- Landesmittel Berlin & Brandenburg: Migrationssozialarbeit, diverse Sozialprogramme
- Bundesmittel: MBE (BAMF/BMI), „Zusammenhalt durch Teilhabe" (BMI), Demokratie leben! (BMFSFJ)
- EU-Fonds: AMIF (VASiB-Projekt), ESF (Arbeitsmarktintegration)
- Kirchensteuermittel: Zuweisungen der EKBO an das Diakonische Werk
- Spenden & Kollekten: Brot für die Welt, Diakonie Katastrophenhilfe
Bilanz DWBO-Dachverband 2023
Aus dem im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss 2023 ergeben sich folgende Eckdaten für den DWBO selbst (also den e.V. ohne Konsolidierung der ca. 380 Mitgliedsträger):
- Bilanzsumme: 44,2 Mio. €
- Eigenkapital: 32,5 Mio. € (EK-Quote ~73%)
- Mittelweiterleitung an Mitgliedseinrichtungen: 8,549 Mio. €
- Personalaufwand: 7,9 Mio. € (rund 106 Köpfe / 94 VZÄ Geschäftsstelle)
- Jahresüberschuss: 180.000 €
Die Direktoren-/Vorstandsvergütung des DWBO selbst ist im Lagebericht 2023 nicht explizit ausgewiesen; eine Schoen-spezifische Vergütungsangabe ließ sich nicht ermitteln.
Geschäftsführer-Vergütung Mitgliedseinrichtungen
Auf Ebene einzelner Mitgliedseinrichtungen sind die Vergütungsangaben uneinheitlich:
- Lafim-Diakonie (Brandenburg, HRB 32966): Vorstandsvergütung 2023 in Summe 366.850,04 € für Welsch + Antoine inkl. Dienstwagen und Zusatzversorgung — also ca. 150-200 TEUR pro Person.
- Stephanus gGmbH (Berlin, HRB 103965 B): 2022 rund 236 Mio. € Umsatz, ~4.100 Mitarbeiter. Die GF-Vergütung wird im Lagebericht 2022 explizit nicht ausgewiesen; die DGK-Empfehlung („Diakonischer Corporate Governance Kodex") wird laut Geschäftsbericht „grundsätzlich befürwortet, aber an Voraussetzungen geknüpft, die seit Jahren nicht erfüllt sind".
Auslandsförderer (Negativbefund)
Die im DWBO-Umfeld typischerweise vermuteten US- oder EU-Großförderer (Bill & Melinda Gates Foundation, Open Society Foundations, Tides, Bertelsmann Stiftung International, EU-CERV-Programm) konnten in den geprüften Bilanzen und Förder-Datenbanken nicht als nennenswerte DWBO-Geldgeber identifiziert werden. Belegte Auslands-/EU-Geldströme beschränken sich auf den AMIF (EU-Asyl-Fonds) und den ESF (Europäischer Sozialfonds).
Eine konsolidierte Gesamtbilanz aller ca. 380 Träger wird vom DWBO nicht veröffentlicht. Die Gesamtwirtschaftsleistung des DWBO-Verbunds dürfte bei über 3 Milliarden Euro jährlich liegen — eine Schätzung auf Basis der Beschäftigtenzahl und branchenüblicher Umsatzkennzahlen.
Strafrechtliche Vorgänge
Gegen den DWBO-Dachverband selbst sind keine Strafverfahren bekannt geworden. Auf Ebene der ca. 380 Mitgliedseinrichtungen gibt es einzelne historische Vorgänge, die wegen ihrer öffentlichen Wahrnehmung hier dokumentiert werden — nicht weil sie dem DWBO als Verband zuzurechnen wären.
Diakoniewerk Bethel Berlin (Karl Behle) — Ausschluss durch DWBO 2018
Anfang 2017 deckte CORRECTIV Vergütungs- und Pensionszahlungen an den damaligen Geschäftsführer Karl Behle des Diakoniewerks Bethel Berlin auf — Jahresgehalt von rund 720.000 € sowie eine Pensionszusage in Höhe von rund 5,6 Mio. €. Im Anschluss leitete die Staatsanwaltschaft Berlin Ermittlungen wegen Untreue/Betrug-Verdachts ein. Diese Ermittlungen wurden 2017/18 eingestellt; eine strafrechtliche Verurteilung erfolgte nicht.
Zurechnung zum DWBO: Das DWBO hat im Januar 2018 als Reaktion auf die CORRECTIV-Recherchen das Diakoniewerk Bethel Berlin aus dem Verband ausgeschlossen. Bethel war zum Zeitpunkt der Vorwürfe DWBO-Mitglied; nach dem Ausschluss nicht mehr. Die Vorgänge sind daher nicht dem DWBO als Verband, sondern einer ehemaligen Mitgliedseinrichtung zuzurechnen — der Ausschluss selbst dokumentiert die Reaktion des DWBO auf den Vorgang.
Berliner Diakoniestation — Millionenbetrug
Die Berliner Diakoniestation wurde durch eine Verurteilung wegen gewerbsmäßigen Betrugs in Höhe von über 10,6 Mio. € bekannt. Ob die verurteilte Trägerstruktur formell DWBO-Mitglied war, ließ sich anhand der verfügbaren Quellen nicht abschließend belegen — der Vorgang wird daher hier ohne DWBO-Zuordnung dokumentiert.
URAK-Aufarbeitung sexualisierter Gewalt
Seit März 2025 läuft die Arbeit der Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommission (URAK) für sexualisierte Gewalt in den evangelischen Landeskirchen und der Diakonie. Das DWBO ist im Trägerkreis der URAK vertreten. Konkrete Verfahrensergebnisse für den DWBO-Bereich liegen zum aktuellen Berichtszeitpunkt noch nicht vor.
Verflechtungen
Aufsichts- und Personalverflechtung
Das DWBO ist Mitglied sowohl in der Berliner als auch in der Brandenburger Liga der Freien Wohlfahrtspflege — eine Doppelmitgliedschaft, die den länderübergreifenden Charakter des Verbands widerspiegelt. Im Aktionsbündnis Brandenburg sitzt die Diakonie gemeinsam mit AWO, DRK und zahlreichen NGOs. Auf Bundesebene ist die Diakonie Deutschland Teil der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW), der gemeinsam mit AWO, Caritas, DRK, Paritätischer und Zentralwohlfahrtsstelle der Juden das MBE-Trägermonopol (~77,5 Mio. €/Jahr Bundesvolumen 2024) zukommt.
Diakonischer Rat — Personalunionen
Die Verbands-Aufsicht ist eng mit den großen Mitgliedseinrichtungen verschränkt (siehe auch Gründung & Leitung): Vorsitzende Ulrike Menzel (Samariteranstalten Fürstenwalde), Stellvertreterin Dr. Melanie Beiner (Hoffnungstaler Stiftung Lobetal), Schatzmeister Dr. Jörg Antoine (Lafim-Diakonie), Mitglieder Dr. Ellen Ueberschär (Stephanus-Stiftung) und Tina Mäueler-Görke (Berufsbildungswerk Oberlinhaus). Diese Kombination — Vorstände der größten Beitragszahler und Mittel-Empfänger sitzen im Aufsichtsorgan ihres Dachverbands — ist BAGFW-typisch.
Pröpstin Dr. Christina-Maria Bammel (EKBO)
Pröpstin Dr. Christina-Maria Bammel sitzt als Vertreterin des EKBO-Konsistoriums im Diakonischen Rat. Da die EKBO Trägerin des DWBO ist, dokumentiert diese Konstellation die kirchenrechtliche Anbindung des Werks an die Landeskirche.
Dr. Ellen Ueberschär ↔ Heinrich-Böll-Stiftung
Dr. Ellen Ueberschär (seit November 2025 im Diakonischen Rat des DWBO; Vorstand der Stephanus-Stiftung) war von 2017 bis 2022 Co-Vorstandsvorsitzende der Heinrich-Böll-Stiftung, der parteinahen Stiftung von Bündnis 90/Die Grünen. Diese personelle Brücke zwischen einer Bundes-Parteistiftung und einem regionalen Wohlfahrtsverbands-Aufsichtsorgan ist sachlich relevant, weil sie die Anschlussfähigkeit der DWBO-Politik an grüne Parteinetzwerke dokumentiert.
Mehrfachmandate Dr. Christian Nottmeier
Dr. Christian Nottmeier, Superintendent des Kirchenkreises Berlin-Neukölln, ist 2. stellvertretender Vorsitzender des Diakonischen Rats — neben mindestens zwei weiteren Leitungsrollen im evangelisch-kirchlichen Raum. Solche Mehrfachmandate sind in der Strukturkombination Kirche/Diakonie verbreitet und erschweren die Trennung kirchlicher und diakonischer Entscheidungslinien.
Stiftungs-WG-Hinweis: BuMF teilt DWBO-Adresse
Der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BuMF) e.V. ist unter derselben Adresse Paulsenstraße 55-56, 12163 Berlin erreichbar wie der DWBO. Aus dem reinen Adressabgleich folgt keine operative Verflechtung — die geteilte Anschrift ist aber dokumentiert und sollte bei der Bewertung migrationspolitischer Stellungnahmen mitgelesen werden.
Wissenschaftliche Begleitung VASiB
Evaluator des VASiB-Projekts war die BTU Cottbus-Senftenberg als staatliche Hochschule. Eine politisch-personelle Verflechtung Evaluator ↔ Geldgeber konnte im Audit nicht belegt werden.
Parlamentarische Initiativen & politische Patenschaft
Bundestags-Anhörungen Diakonie Deutschland
Auf Bundesebene wird der Bundesverband Diakonie Deutschland regelmäßig als Sachverständige in Bundestags-Anhörungen geladen:
- Innenausschuss 23.9.2024 — Sicherheitspaket-Anhörung zu BT-Drs. 20/12805. Schriftliche Stellungnahme als Ausschussdrucksache 20(4)499.
- Familienausschuss 13.11.2023 zur Kindergrundsicherung — Diakonie Deutschland als Sachverständige.
DWBO-Schoen / Senatorin Kiziltepe (SPD) — Asylverfahrensberatung
Am 17. März 2026 positionierten sich DWBO-Direktorin Schoen und Berlins Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) gemeinsam in einer Pressekonferenz gegen die geplante Bundes-Streichung der Asylverfahrensberatung ab 2027. Die Ko-Positionierung dokumentiert die direkte politische Patenschaft auf Landes-/Senatsebene.
Andrea Asch — Großkundgebung „Wichtiger als Du denkst!"
DWBO-Vorständin Andrea Asch sprach am 5. Dezember 2024 auf der Großkundgebung „Wichtiger als Du denkst!" vor dem Berliner Abgeordnetenhaus gegen Sozialkürzungen. Die Kundgebung wurde von einem breiten Bündnis aus Berliner Wohlfahrtsverbänden getragen.
Kampagne „zusammenstreiten" 2024 (Diakonie + EKBO)
Im brandenburgischen Superwahljahr 2024 (Landtagswahl) führten Diakonie und EKBO gemeinsam die Kampagne „zusammenstreiten" durch, die für demokratische Beteiligung und gegen rechtsextreme Positionen warb. Inhalt und Zeitpunkt der Kampagne sind politisch sensibel — sie steht in der bekannten Linie diakonischer Wahlaufrufe vor Landtagswahlen in Ostdeutschland.
60-Jahr-Jubiläum DWBO-Freiwilligendienste
Beim 60-Jahr-Jubiläum der DWBO-Freiwilligendienste war Brandenburgs Sozialminister Steffen Freiberg (SPD) präsent — Indikator dafür, dass der DWBO als Landes-Politikpartner der SPD-geführten Sozialressorts gefestigt ist.
Regierungswechsel Brandenburg 2026 — DWBO-Stellungnahme
Nach dem Ende der SPD-BSW-Koalition in Brandenburg (BSW-Austritt dreier Abgeordneter, Januar 2026) und der Bildung einer SPD-CDU-Koalition (18. März 2026) veröffentlichte das DWBO eine umfangreiche Stellungnahme mit 11 politischen Forderungsbereichen: Schutz des Subsidiaritätsprinzips, verlässliche Freiwilligendienstfinanzierung, kostenfreie Kitaverpflegung, Abschaffung von Schulgeld für Sozialpflegeberufe, umfassende Pflegeversicherung, dauerhafte Migrationsberatung und Unterkunftswechsel innerhalb 6 Monaten, Anti-Obdachlosigkeitsstrategie sowie Ausbau sozialer Beratungsangebote [31]. Die politisch neutralisierte Sprache der Stellungnahme kaschiert inhaltlich weitreichende Forderungen nach Leistungsausbau und Subventionssicherung — in zwölf Jahren kaum ein politisch neutrales Thema. Dr. Ursula Schoen warnte öffentlich: „Brandenburg ist an einem Scheideweg: Es darf jetzt keine Wende kommen, die auf Ausgrenzung und Sozialleistungskürzungen setzt."
Kein eigener Lobbyregister-Eintrag beim Bundestag (Negativbefund): Das DWBO selbst ist trotz erheblicher politischer Interessenvertretung nicht als eigene Organisation im Lobbyregister des Deutschen Bundestages eingetragen. Die bundesweite Diakonie-Interessenvertretung läuft über Diakonie Deutschland (Registernummer R001639, Lobbyaufwand 270.000–280.000 € p.a. für Geschäftsjahr 01/24–12/24). Das DWBO agiert somit als regionaler Lobbyakteur ohne eigene Transparenzpflicht gegenüber dem Bundestag — nur gegenüber dem Berliner Landeslobbyregister potentiell erfasst.
Kontroversen & Gegenpositionen
Personenkarussell ÖRR → Bethel → DWBO
Pressesprecher des DWBO ist seit Mai 2022 Sebastian Peters. Peters war von 2012 bis 2022 zehn Jahre lang Pressereferent beim Diakoniewerk Bethel Berlin — also bei genau jener Einrichtung, deren Vergütungspraxis CORRECTIV in dieser Zeit aufgedeckt hat (siehe Strafrechtliche Vorgänge). Davor war Peters von 2007 bis 2012 ÖRR-Fernsehjournalist. Der personelle Wechsel ÖRR → Mitgliedseinrichtung mit Skandal → Dachverbands-Pressestelle ist sachlich dokumentierbar; eine Bewertung im Sinne von „Drehtür" überlässt Steuerlupe den Lesern.
Kirchlicher Wohlfahrtsverband als politischer Akteur
Die Diakonie DWBO beschränkt sich nicht auf soziale Dienstleistungen, sondern positioniert sich aktiv zu migrationspolitischen Themen: gegen Abschiebungen, für erweiterte Bleiberechte, gegen die Einstufung sicherer Herkunftsstaaten. Als Mitglied des Aktionsbündnisses Brandenburg beteiligt sich die Diakonie an Kampagnen gegen „Rechtsextremismus" — ein Begriff, den Kritiker als politisch dehnbar betrachten. Die DWBO-Stimme erscheint regelmäßig in Tagesspiegel, Märkischer Allgemeiner, Berliner Morgenpost, RBB24 und taz, in der Regel als Sachverständige für Migrationspolitik und Sozialhaushalt.
Subventionsabhängigkeit und Eigeninteresse
Mit 53.000 Beschäftigten und einer geschätzten Wirtschaftsleistung von über 3 Milliarden Euro ist das DWBO ein Wirtschaftsfaktor, der erheblich von öffentlichen Transferleistungen abhängt. Die Migrationsarbeit ist dabei ein wachsender Geschäftsbereich. Die Warnung vor dem Verlust von 75 Vollzeitstellen bei einer 38%-Kürzung der Migrationssozialarbeit illustriert, wie stark die personelle und wirtschaftliche Struktur an die Fortführung dieser Programme gebunden ist.
Gegenposition Diakonie: Die Diakonie verweist auf den diakonischen Auftrag der Evangelischen Kirche, der Nächstenliebe und Hilfe für Bedürftige als Kernauftrag definiert. Migrationssozialarbeit sei keine Erwerbsquelle, sondern Ausdruck christlicher Verantwortung. Die Kürzungen würden nicht die Diakonie als Organisation treffen, sondern die Menschen, die auf Beratung und Unterstützung angewiesen sind. Ausführlicher in Gegenposition DWBO.
Gegenposition DWBO
Das DWBO begründet seine Migrations- und Sozialarbeit aus dem diakonischen Auftrag der Evangelischen Kirche. Im Jahresbericht 2024 fasst der Verband seinen Selbstanspruch unter dem Motto „#AUSLIEBE — für alle" zusammen [29]. Direktorin Dr. Ursula Schoen formuliert dort: „Liebe schenkt Haltung, lebt von Verbindlichkeit"; Migrationsarbeit sei keine Erwerbsquelle, sondern Ausdruck kirchlich-diakonischer Verantwortung. Vorständin Andrea Asch beschrieb 2024 als „Kraftprobe für das Subsidiaritätsprinzip" zwischen Sparzwang und Solidarität — Subsidiarität sei nicht nur Förderlogik, sondern Prinzip, demzufolge der Staat soziale Aufgaben primär den freien Trägern überlassen müsse. Mit 380 Trägern, 1.900+ Einrichtungen und 53.000 Beschäftigten sei das DWBO Teil eines „wohlfahrtspluralistisch" verfassten Sozialsystems, das Vielfalt der Träger ausdrücklich gegen staatliche Monopolisierung verteidigt [29].
Zur Berliner Kürzungs-Berichterstattung positioniert sich das DWBO über eine ökonomische und eine humanitäre Argumentationslinie [30]: „Es ergibt ökonomisch keinen Sinn, Integrationsarbeit zu sparen. Jeder Euro, der bei 'Migrationssozialarbeit II' eingespart wird, führt langfristig zu deutlich höheren Kosten, etwa für die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland." Die Kürzung von 14,5 auf 9 Mio. € (−38 %) und der drohende Wegfall des Integrationspauschalen-Anteils träfen nicht den Verband, sondern „die Menschen, die auf Beratung und Unterstützung angewiesen sind". Angesichts der Aufnahme von Menschen aus Afghanistan ließen sich Kürzungen „nicht rechtfertigen"; das Land Berlin habe „weiterhin die Pflicht, einen Beitrag zur humanitären Hilfe für Menschen aus Krisengebieten zu leisten" [30]. Zur Bezahlkarte für Asylbewerber bezieht das DWBO im Jahresbericht 2024 ablehnend Stellung, weil sie die Selbstbestimmung der Leistungsempfänger einschränke [29].
Eine eigenständige Stellungnahme gegenüber Steuerlupe wurde nicht eingeholt; die hier zitierten Positionen stammen aus öffentlich publizierten DWBO-Quellen (Jahresbericht, Pressemitteilung). Kritiker werten die ökonomisch-kostenbasierte Argumentation („höhere Folgekosten ohne Migrationssozialarbeit") als Indiz dafür, dass die Selbstdarstellung als rein humanitärer Akteur sich mit einem strukturellen Eigeninteresse an Programm-Fortführung überschneidet — eine Position, die das DWBO ihrerseits als Verkürzung des diakonischen Auftrags zurückweist.