Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM)
Überblick
Das DeZIM-Institut ist eine ressortforschungsähnliche Einrichtung des BMFSFJ. Es betreibt den Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (NaDiRa) und ist seit seiner Gründung 2017 von 64 auf 198 Mitarbeiter gewachsen. Das Budget hat sich im selben Zeitraum verdreifacht. Hauptprodukt sind jährliche Monitoringberichte, die politische Handlungsempfehlungen enthalten.
Gründung & Leitung
Das DeZIM wurde 2016 vom Bundestag in Auftrag gegeben und 2017 gegründet. Es wird von einer Doppelspitze geleitet:
- Prof. Dr. Frank Kalter — Soziologe, Universität Mannheim
- Prof. Dr. Naika Foroutan — Politikwissenschaftlerin, HU Berlin. Öffentlich als Aktivistin positioniert („Dieses Land gehört per se niemandem“)
NaDiRa-Leiter: Dr. Cihan Sinanoğlu
Finanzierung
Budget-Entwicklung (alle Mittel BMFSFJ):
| Zeitraum | Institutionell | Drittmittel | Gesamt |
|---|---|---|---|
| 2017–2020 | Bund gesamt | 6,8 Mio. € | |
| 2020 | 3,4 Mio. € | ~4 Mio. € | ~7,4 Mio. € |
| 2022 | 4,8 Mio. € | 7,1 Mio. € | 11,9 Mio. € |
Zusätzliche Sondermittel (2022):
- 3,6 Mio. € für den Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (NaDiRa)
- 1,225 Mio. € Aufstockung
Projektförderung 2024 nach Ressort (Primärquelle: BT-Drs. 20/13984):
- BMFSFJ — NaDiRa-Weiterentwicklung: 3,23 Mio. €
- BMFSFJ — Wiss. Begleitung Demokratie leben!: 1,35 Mio. €
- BMFSFJ — Forschungsdatenzentrum (fdz + panel): 842 T€
- BMFSFJ — Forschungsvernetzung: 490 T€
- BMFSFJ — Wissenstransfer: 307 T€
- BMFSFJ — Demografieprojekt Einwanderer: 61 T€
- BMI/BAMF — Evaluation Migrationsberatung (MBE): 240 T€
- BMBF — Wissensnetzwerk Rassismusforschung: 174 T€
- BMBF — sonstige Verbundprojekte: 85 T€
Quellen: BT-Drs. 20/13984, WR Drs. 2514-25 (2025), Achgut: Wissenschaft nach Regierungsgeschmack
Kontroversen
1. Evaluations-Interessenkonflikt (2024)
Das DeZIM-Institut übernahm die wissenschaftliche Begleitung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ und erhielt 2024 dafür 1,35 Mio. € vom BMFSFJ (BT-Drs. 20/13984). Gleichzeitig erhielt das Institut vom selben Ministerium weitere rund 5,4 Mio. € aus anderen Förderlinien. Die gleichzeitige Rolle als Evaluator und Hauptmittelempfänger desselben Auftraggebers ist strukturell konfliktbehaftet. Auch der Wissenschaftsrat (Mai 2025) mahnt, „die Unabhängigkeit der Forschung des DeZIM“ müsse „auch künftig gewahrt bleiben“ (WR Drs. 2514-25).
2. NaDiRa-Methodik
Politische Positionen werden in den NaDiRa-Studien als „moderner Rassismus“ operationalisiert. Antwortskalen wurden zwischen einzelnen Erhebungswellen geändert, was Vergleichbarkeit erschwert. Die Studien durchlaufen kein externes Peer-Review-Verfahren. Eine kritische Analyse findet sich im Steuerlupe Studien-Audit.
3. Naika Foroutan — Aktivismus vs. Wissenschaft
Co-Direktorin Naika Foroutan ist öffentlich politisch positioniert. Ihre Aussage „Dieses Land gehört per se niemandem“ und weitere öffentliche Stellungnahmen werfen die Frage auf, ob die Institutsleitung die Grenze zwischen wissenschaftlicher Forschung und politischem Aktivismus hinreichend wahrt.
4. „Zivilgesellschaftlicher Begleitprozess“
Der NaDiRa wird von sogenannten Betroffenen-Communities begleitet, die den Forschungsprozess mitgestalten. Dieses Modell birgt die Gefahr einer systematischen Bestätigungstendenz (Confirmation Bias): Wenn die zu untersuchenden Gruppen die Forschungsfragen mitbestimmen, kann dies die Ergebnisse in eine vorgegebene Richtung verzerren.
NaDiRa-Studienreihe
Nationaler Diskriminierungs- und Rassismusmonitor:
- Rassistische Realitäten (2022)
- Rassismus und seine Symptome (2023)
- Verborgene Muster (2025)
- Verfestigte Abwertungen (2026)
Zusätzlich veröffentlicht das DeZIM thematische Berichte zu Diskriminierung in einzelnen Lebensbereichen (Arbeitsmarkt, Wohnen, Bildung, Gesundheit).
Verflechtungen
Das DeZIM-Institut ist eingebettet in ein Geflecht aus Bundesförderung und zivilgesellschaftlichen Kooperationspartnern:
Gegenposition / Reaktion
Das DeZIM-Institut und seine Direktorin Naika Foroutan weisen Aktivismus-Vorwürfe zurück. Das Institut betont, auf Basis interdisziplinärer Methodik (Multi-Methods-Ansatz, Panelstudien mit >7.000 Haushalten, separate Methodenberichte) zu arbeiten. Der Wissenschaftsrat bescheinigt in seiner Erstbegutachtung (Mai 2025) „bedeutende Forschungsleistungen“ in beiden Kernbereichen und stuft den NaDiRa als „unverzichtbaren Beitrag zur Versachlichung gesellschaftlicher Debatten“ ein (WR Drs. 2514-25, S. 9 ff.). Foroutan erhielt 2025 die Caroline-von-Humboldt-Professur der HU Berlin für wissenschaftliche Exzellenz (DeZIM-Pressemitteilung).
Zur Drittmittel-Empfehlung des WR: Das Institut gibt an, kompetitive Fördereinwerbung bei DFG, BMBF und EU bereits auszubauen; die hohe Abhängigkeit von einem Zuwendungsgeber (BMFSFJ ca. 94 %) sei dem Aufbau-Charakter der Einrichtung geschuldet.